Mongolia 2017

15. Mai 2017

Nun bin ich zum 8ten Mal in der Mongolei! Nie hätte ich gedacht, dass ich mal auf diese Zahl komme- doch wohl einmal hier, zieht es die meisten immer wieder hierher.

Der Hinflug war insbesondere in der Nacht wunderschön. Ich flog mit Sicht auf den Vollmond, der sich unten immer wieder in den breiten Flüssen von Russland spiegelte- ein wunderschöner Tanz.

Berührend dann wieder die Begrüssung von allen in meiner Unterkunft und dann auf der Tagesstätte. Es ist doch immer wieder fast wie ein nach Hause kommen- auch mein Handy ist hier schon ganz vertraut und logt sich einfach überall gleich wieder ins bekannte W-LAN ein.

Nun sind es 10 Jahre her seit meiner ersten Reise in die Mongolei. Vieles hat sich verändert, die Stadt wächst rasant und überall wird immer noch viel gebaut. Ob da dann auch wirklich alle Wohnungen vermietet oder verkauft werden können kann ich nicht ganz glauben, den ich sehe da auch viel Armut. Auch ist der Rohstoffmarkt in den letzten Jahren eingebrochen, was hier nochmals zu einer Teuerung geführt hat. Der Tugrik hat zum letzten Herbst als ich hier war, an Wert verloren.

Verändert haben sich auch die Strassen, die viel besser sind- keine offenen Tonnendeckel mehr, oder überall die tiefen Schlaglöcher um die alle Halsbrecherisch wenn`s sein musste auch über die Mittellinie hinaus auswichen.
Geschätzt jedes zweite Auto ist mittlerweile ein Hybrid Auto dass je nach Alter 8 bis 12 Millionen Turgik ( 3400 bis 5000SFr.) kostet- meist aus Japan kommt und demzufolge das Lenkrad für Linksverkehr angebracht ist. Dies führt hier immer wieder zu brenzligen Situationen- da die Fahrerin/ der Fahrer ja schon fast auf der Gegenfahrbahn sein muss um zu sehen, ob überholen möglich ist oder ob Gegenverkehr kommt. Verstehe das absolut nicht, warum sie dies nicht ändern.

In den Tourismus wird nun sehr viel investiert und es scheinen auch immer mehr Reisende zu kommen. Es sind viele Touristencamps sichtbar rund um die Stadt. Neu müssen nun alle Fahrer einen viertägigen Kurs machen wo sie verschiedenstes lernen müssen, sei es einige Sätze auf Englisch oder auch Erste Hilfe, wie die Gäste begrüssen und und und. Bagii hat gestern den ersten Kurstag gemacht und war abends recht erschöpft- doch froh das erste Diplom in der Hand zu halten. Für jeden weiteren Tag gibt es eines mehr J früher zu kommunistischen Zeiten wäre es vielleicht eine Medaille gewesen.

Was hier wie auch an vielen anderen Orten sicht- und hörbar ist, ist das Smartphone dass einen wichtigen Stellenwert eingenommen hat und dadurch nun auch die Netzabdeckung immer besser wird. Damit verliert sich für mich viel an direkter Aufmerksamkeit- wie ich dies auch in der Schweiz erlebe und sehr bedauere.

Zum Glück gibt’s noch immer «meinen» Khairkhan Hikingclub. Gestern war ich mit ihnen auf einer 17 Kilometer langen Tour die mir einiges abverlangt hat, legten sie doch ein ordentliches Tempo drauf. Viele von den bekannten Personen von früheren Wanderungen sind leider nicht mehr mit dabei doch hab ich dafür wieder viele kennen gelernt, drei Personen sprachen sogar deutsch was ich ungemein genossen hab. Schön kann ich bei meinem diesmaligen Aufenthalt sicherlich noch einmal mitwandern gehen. Was sich da über die Jahre gar nicht verändert hat ist die Standardfrage: Bist du verheiratet, hast du Kinder. Wenn ich dann mit nein antworte kommt die Frage Warum? Tia!

Gestern war übrigens der letzte Tag an dem die Heizung lief. Heute nun wurde diese Stadtweit abgeschaltet was mich momentan angesichts der Temperaturen gerade kühl lässt. Heute waren es angenehme 28 Grad und die nächsten zwei Tage soll es Tagsüber um die 30 Grad werden. Danach dann geht’s wieder bergab und ich muss wohl mein Fenster dann bei den fast Minustemperaturen zum Schlafen geschlossen halten. Gut komme ich hier so einfach zu Kaschmir.

30. Mai 2017

Kaum hier so scheint mir, muss ich schon wieder Abschied nehmen. Angereist bin ich mit vielen warmen Kleider- wie es sie oftmals im Mai hier braucht- angetroffen habe ich dann aber sommerliche oft um die 30 Grad Temperaturen. Frieren musste ich während der ganzen Zeit also nie.
Einige Tage konnte ich auf dem Land verbringen wo die Vegetation noch am rausdrängen ist. Durch die Trockenheit ist die Steppe noch recht braun, es regnete die vergangenen drei Wochen lediglich an einem Tag während kurzer Zeit.

Auf der Tagesstätte war es wieder sehr spannend, Einblick nehmen zu können und zu sehen, wie die Kinder wachsen, Jugendliche zu jungen Erwachsenen werden und ihren Weg gehen. Mittlerweile sind da 180 Kinder angemeldet, wobei nie alle zusammen sich auf dem Gelände aufhalten.
Einige Familien konnte ich mit der Sozialarbeiterin besuchen- die Freude dabei auch alt Bekannte wieder zu sehen war berührend. So auch jene Familie die ich seit zwei Jahren kenne und die ich um ihre Stärke- ihren Stolz trotz Behinderung ihr Leben möglichst ohne Unterstützung von Bayasgalant zu meistern, sehr bewundere. Die Frau hat beide Beine amputiert und trotzdem hat sie ihren Willen und ihr Lachen nicht verloren. Sie kämpft um eine schmerzfreiere Zukunft, was sie wohl enorme Kraft kostet- da sie teilweise sehr starke Beschwerden hat. Mit Spendengeld war es möglich, dass wir ihr eine Woche Aufenthalt in einer Privatklinik bezahlen konnten, wo sie sehr gut gepflegt wurde. Nun zurück in ihrem Zuhause konnte ich sie am Freitagnachmittag besuchen und ich habe mich riesig gefreut, dass es ihr sichtlich Besser geht und auch die wunden Stellen an ihren Beinstummel verheilt sind, sodass sie ihre Prothesen nun wieder schmerzfreier tragen kann.
Als Dank für die Spende überreichte sie mir ein selbst gemachtes Bild- was mich zutiefst verlegen machte. Sie schenkt mir so etwas Grosses, sie die in so einfachen Verhältnissen leben.

Es war viel zu besprechen und tun auf der Tagesstätte, sodass wenig Zeit zum Ferien machen blieb- und damit auch um diesen Blog zu führen.

Erneut reich beschenkt mit neu entstandenen Freundschaften und eindrücklichen, manchmal lustigen dann wieder sehr traurigen Begegnungen werde ich meinen achten Besuch hier mit meinem ersten Deel- den mir eine Lehrerin zum Abschied von ihrer Mutter nähen liess, am Mittwoch hier abschliessen und mit Miat wieder über Berlin in die Schweiz fliegen. Bayartay

Mongolia 2016

_MG_9687Vom 20. August bis 10 September 2016 steht meine nächste-
die siebte Reise -in die Mongolei an.

 

24. August 2016

Ich bin mit etwas Verspätung – wie so oft- in der Mongolei angekommen. Wunderschön wieder hier zu sein und von allen so herzlich empfangen zu werden. Als Geschenk habe ich dem Team Taschenmesser gebracht- ein nicht ganz unproblematisches Geschenk, wie ich lerne. Alle haben mir dafür etwas Geld gegeben und damit schlechtes abgewendet. Mich hat`s verlegen gemacht, wollte doch ich ihnen etwas schenken.

Übermüdet vom langen Flug und Jetlag hab ich dann gleich am Montag den ersten Tag auf der Tagesstätte verbracht und abermals gestaunt, wie problemlos der ganze Betrieb mit all den vielen Kindern funktioniert. Täglich sind da an die 80 bis 100 Kinder anwesend und es ist erstaunlich, wie wenig an Aufsicht es von den Lehrerinnen braucht. Die Kinder sind es gewohnt, auf sich selber aufzupassen. Selten weint ein Kind und wenn, dann sehe ich oftmals, dass sie sich gegenseitig trösten.
Abends fand dann noch die Teamsitzung mit den gegen 20 Angestellten und danach- so hiess es für mich noch einen Willkommenstrunk. Es gibt viel zu feiern in der Mongolei und wenn nicht, findet sich immer einen Grund. Gut liess sich dann ein Fahrer für mich finden, der mich frühzeitig nach Haus brachte- einige waren noch länger auf der Tagesstätte.

Bayasgalant konnte das angrenzende Gelände mit übernehmen, was für die Tagesstätte ein enormer Gewinn an Platz ist. Die Vorgänger haben dort mit viel Liebe einen Garten angelegt und so gibt es jetzt einige Sträucher mit Beeren, die wichtige Vitamine spenden. Die Kinder haben dies auch schon entdeckt und sind immer wieder hinten um Beeren, die noch nicht ganz reif sind zu essen.
Weiter steht auf dem zusätzlichen Land auch ein Haus, dass nun für einen weiteren Kindergarten genutzt wird. Solche Plätze sind in UB rar und entsprechend gross ist die Nachfrage. Innert kurzer Frist waren alles neuen Plätze schon vergeben. Schwer ist es nun, Absagen geben zu müssen wie zB. Heute:

Eine Frau kam vorbei, um ihre zwei Kinder für den Kindergarten anzumelden. Die Frau ist erst 24 Jahre alt und hat als alleinstehende und arbeitslose Frau mit ihren beiden Kindern mehr als genug Sorgen. Mit Tränen in den Augen verliess sie nach der Absage das Büro. Es tut weh, so etwas zu sehen, doch auch bei Bayasgalant kann nicht allen geholfen werden. Vielleicht hat sie ja Glück, und eines der angemeldeten Kinder kommt nicht und so bekommt sie dann diesen Platz. Ich wünsche es ihr ganz fest.
Bei Mongolei News habe ich soeben gelesen: Schwierig werde es, allen Kindern einen Kindergartenplatz zur Verfügung zu stellen. Bei der Vergabe der begehrten Plätze würden immer wieder Unregelmäßigkeiten aufgedeckt. Die Antikorruptionskommission überprüfe derzeit zahlreiche Klagen wegen Bestechung.

Was mich ganz fest freut, dass die Jugendlichen sich in der ehemaligen Garage einen eigenen Raum einrichten können. Bereits haben sie begonnen, den Raum zu renovieren und neu zu verputzen. Auf den Winter hin werden sie diesen auch noch besser isolieren. Betreiben wollen sie diesen klar autonom mit selbst erarbeiteten Regeln. Ich bin sehr gespannt, wie dies werden wird.

Zum heutigen Eintrag noch eine typisch mongolische Geschichte der ich vorwegnehmen muss, dass MongolInnen in der Regel nicht gerne wandern oder wenn dann nur kurze Strecken.
Bogi erzählte von einer Tour die sie begleitet hat. Ihr Wortlaut – Am Huvsgool See gibt’s hohe Berge auf die frau wandern und von da oben auf den ganzen See schauen kann.
Für mich hörte sich dies nach einer langen Wanderung an, doch beim weiteren erzählen stellte sich raus, mit schnell laufen ist frau schon nach einer Stunde oben. Lange für mongolische Verhältnisse- für mich wohl eher ein Spaziergang 🙂

  1. August 2016
    _MG_3998Hier ist es schon recht herbstlich. Tagsüber kann es gut um die
    20 Grad sein, nachts dann aber kühlt es sehr ab und es regnet auch ab und zu. Das Wasser staut sich dann überall und der Weg von der Bushaltestelle zur Tagesstätte gleicht einem Sumpf.

    Die Zeit hier läuft so unwahrscheinlich schnell, obwohl hier das Leben doch für mein Empfinden sehr langsam ist. Stress heisst für die MongolInnen etwas ganz anderes- ich kann es nicht so ganz fassen.
    Beim Einrichten des neuen Kindergartens geht es voran. Dieser startet am Donnerstag und die Kindergärtnerinnen machen beim Einrichten das meiste selbst. Ich sähe da noch sehr viel zu tun, doch meinen sie, es sei so schon genug. Meine Hilfe nehmen sie nur zögerlich an. So konnte ich gestern dann doch noch einen Raum streichen. Doch wie, dass war wirklich eine Herausforderung. Mir wurde ein Kessel Farbe mit Roller und Pinsel gegeben. So startete ich, doch schien mir die Farbe alles andere als deckend. Doch meinem Empfinden wurde widersprochen, es werde dann beim Trocknen schon weiss.
    So gab ich mir sehr Mühe, die Bordüren an der Decke alle sorgfältig zu streichen, kein leichtes Unterfangen mit den schon neu tapezierten Wänden! Von meinem Werk sah ich wenig- noch immer drückte darunter grau oder was auch immer durch.
    Fast fertig mit dem ganzen kam dann Bogi rein und meinte, die Farbe sei so doch nicht ok und es bräuchte noch einen Klebestoff drin. Einer der Abwärte kam dazu und schüttete ein Pulver in die Farbe was dazu führte, dass sich dieses nicht ganz auflöste und es beim streichen mit dem Roller Klumpen gab. Ok, kein Problem befanden sie und machten sich auf die Suche nach einem Sieb. Ein solches liess sich nicht finden, dafür ein Fliegengitter, dass wir bei einem Fenster entfernten. So also die ganze Farbe durch dieses nicht ganz saubere Sieb lassen und dann damit streichen, was dann recht gut klappte.
    Heute beim inspizieren meines gestrigen Werkes war ich dann recht überrascht, dass der Raum nun doch sowas wie weiss geworden ist.
    Heute erfuhr ich dann noch, dass dieses Pulver mit dem Kleber erst mit wenig Wasser hätte aufgelöst werden müssen.

    Heute habe ich mir etwas ganz spezielles geleistet. Erst ging ich am Morgen seidenen Stoff kaufen und ging dazu heute Abend zu einer Schneiderin, die mir für rund 20 Franken daraus ein mongolisches Hemd näht. Sie mass mich dazu aus und wird mir innerhalb von einigen Tagen dieses herstellen. Der Stoff selbst hat mich das vierfache gekostet, doch freue ich mich ungemein, zum ersten Mal in meinem Leben ein ganz auf mich abgemessenes Kleidungsstück zu bekommen._MG_4102

    Am Sonntag traf ich wieder Tulga, mit der ich die zwei Jahre davor auf einer Tour in den Osten war. Diesmal ging es für einen Tag zu einem Hügel, von welchem aus frau auf Ulaanbaatar runter scheuen kann. Die Wanderung zog sich sehr in die Länge, da wir immer wieder Ausschau nach Zapfen mit Zedernnüssen Ausschau hielten. Damit waren wir nicht alleine, immer wieder trafen wir auf Leute, die dasselbe machten. Auch sahen wir etliche Männer die Säcke voll Nüsse ins Tal runter trugen. Ein solcher Sack wiegt um die 50 Kilo und diese müssen über eine Distanz von einigen Kilometer runter getragen werden, um sie dann beim Parkplatz gleich an einen Händler zu verkaufen. Oder wie viele es auch machen, selbst in die Stadt zu bringen um sie dort dann am Strassenrand meist von Kindern verkaufen zu lassen.
    Der anstrengende Weg ist das eine, doch erst müssen die Zapfen von den Bäumen runter geschüttelt werden. Einige machen dies mit grossen Holzhammer, die sie an den Baum schlagen was dessen Rinde erheblich verletzt, oder dann klettern die Jungen hoch und schlagen sie Ast für Ast runter um sie so dann am Boden einzusammeln.
    Beim Rückweg, es war schon nach sieben Uhr, sahen wir in der Nähe des Weges immer wieder Gruppen von Menschen, die da beim Essen zusammen sassen und die offensichtlich etliche Tage im Wald verbringen, bis die Nussernte zu Ende ist.
    Die Nüsse sind für die kommenden Monate ein wichtiger Vitaminspender. Dazu kommen nun auch noch etliche Beeren die dieses Jahr besonders ertragsreich sind.

    Auf dem Heimweg beobachtete ich noch eine skurrile Situation. An der Stadtgrenze wurden alle Autos gestoppt und Männer und Frauen in weissen Schutzanzügen kippten über alle Autoräder auf der reichten Seite eine Flüssigkeit. Damit soll die Ausbreitung einer Seuche, die durch die Murmeltiere verschleppt werden, verhindert werden. Um was für eine Krankheit es sich handelt konnte mir meine Begleiterin leider nicht sagen. Ich vermute mal, dass es ich um Pest handelt- die offenbar in der Mongolei immer wieder mal anzutreffen ist.
    Ja und offensichtlich werden diese Tiere noch immer sehr gerne gejagt, auch wenn es streng verboten und mit einer hohen Busse verbunden ist. Doch die Liebe der Mongolen zum Fett dieser Tiere kennt keine Grenzen, resp. Gesetze.

    Heute wollte ich noch einen zweiten Raum streichen, doch diesen waren die Kindergärtnerinnen bei meinem Kommen bereits schon am fertig einrichten. So verzichtete ich darauf und kann auch nicht ganz glauben, dass sie dies dann am Wochenende machen wollen- denn da haben wir doch einen Ausflug geplant. Naja 🙂  mongolisches Leben. So war ich dann noch einige Zeit im Garten und hab mit einigen Kindern Sanddorn abgelesen, der dann als Saft verarbeitet wird.

    5.September 2016

    Diesmal bin ich ja alles andere als eine fleissige Blogschreiberin. Viel habe ich die letzen Tage wieder erlebt und finde dann die Ruhe nicht, euch darüber zu berichten. Doch bevor meine Abreise schon wieder bevorsteht möchte ich euch gerne noch etwas erzählen.IMG_0011

     

     

     

    IMG_0013 Zum Beispiel die Familienbesuche, welche ich heute mit Tumee gemacht hab. Auf dem Weg dahin begegnen wir immer wieder wilden Hunden- oder solche die in den Grundstücken frei herum laufen. Wir sind da beide froh um unser gemeinsames Unterwegs sein und manchmal auch zusammen erschrecken, das wir dann mit einem lauten lachen wieder lösen können.
    Ich lerne bei den Besuche immer wieder neue Familien kennen und bin teilweise tief erschüttert, mit wie wenig und wie einfach die Familien leben. Sie kämpfen sich irgendwie durchs Leben und sind sehr froh, dass ihre Kinder auf die Tagesstätte kommen können um da nebst Aufgabenhilfe und  Kindergarten auch Essen zu bekommen. Bei den heutigen Besuchen kamen wir bei allen in Ger`s wo die Mutter mit 4 bis 5 Kinder alleine lebt da der Kindsvater entweder verstorben ist, oder in einem Fall weg gegangen ist. Wie nur werden sie den Winter überleben, wenn es dann gegen minus 40 Grad wird und das Geld wohl für Kohle und Holz nicht reichen wird? Unvorstellbar für mich, wie sie das schaffen.IMG_4142 IMG_4161 IMG_4170

     

    Auf der Tagesstätte gab es durch den zustätzlichen Kindergarten noch mehr an Personal. Von allen hab ich nun ein Portrait gemacht und nun bin ich daran mit Bogis Übersetzung Kurzinterviews zu machen um die Portraits dann im Internet auf den Seiten von Bayasgalant zu publizieren. Diese Gespräche sind sehr eindrücklich und manchmal bin ich selbst- nicht nur die ErzählerIn nahe an den Trännen. Eine Angestellte sagte zB. zum Schluss des Gespräches. Ich bin sehr glücklich auf der Tagesstätte arbeiten zu können. Den mit dem festen Einkommen muss ich jetzt nicht mehr jeden Tag überlegen, wie und wo ich Essen für all meine Kinder finden kann. Nun kann ich grössere und schönere Gedanken haben wie zb. was für eine Ausbildung sie dann machen können und vielleicht kann ich nun sogar etwas Geld sparen.

    Auf der Tagesstätte ist es mit dem Schulbeginn ruhiger geworden, da die Kinder und Jugendlichen jeweils vor und nach der Schule vorbei kommen. DA die Schulzeiten sehr gestaffelt sind, bringt dies auch mit sich, dass sich jeweils um die 40 Kinder gleichzeitig im Haus aufhalten. Im Kindergarten dagegen ist dann schon einiges mehr an Betrieb. In Zulaa`s Gruppe von den ganz kleinsten sie so um die 2 bis gegen vierjährig sind, herscht teilweise noch immer Heimweh nach der Mutter. So sind die beiden Kindergärtnerinnen sehr gefordert.

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    Der Start mit den neuen Kindergarten Räumlichkeiten verlief sehr gut und wurde feierlich gestartet. Alles war fertig eingerichtet- halt ohne schöne Farbanstriche, die aber wohl nur mich stören

    In der Schule müssen die Kinder alle eine Schuluniform tragen. Für die älteren Mädchen scheint der Rock viel zu lang zu sein, so rollen sie diesen am Bund kräftig hoch, wie es nun halt mal Mode ist.IMG_4397

    Nun bleiben mir hier nur noch einige Tage und dann geht schon wieder mein Flug zurück in die Schweiz. Lediglich an zwei Tagen werde ich noch auf der Tagesstätte sein, morgen erst mal werde ich noch für einen Tag mit Zaya aufs Land fahren und hoffentlich gibt es da dann eine schöne Wanderung.

Mongolia 2015

 

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21. September 2015

Ich konnte mit dem gesamten Team ein Wochenende auf dem Land verbringen. Die Landschaft war mit dem herbstlich gefärbten Wald- vorwiegend Birken, traumhaft. Am Samstag ging ich alleine auf Wanderschaft und fand einen wunderschönen Platz mit Weitsicht zum Verweilen und mich mitten in eine Wiese mit vielen Edelweiss legen.
Mit Zaya hab ich ja ein Schaf gesponsert, dass die Hausabwarte bei Nomaden vor Ort kauften und wie ich dies schon kenne schlachteten. Dies geschah während der Zeit, als ich unterwegs war. Bei meinem Zurückkommen preichte ich es dann genau zu dem Zeitpunkt, als die Schüssel gerade mit all den Innereinen gefüllt wurde. Ich konnte mich, ohne unanständig zu sein, zurück ziehen. Schon der Anblick von all den Organen und was weiss ich, lässt mich davon laufen J. Alle hatten dann den Eindruck, dass ich Magenprobleme hab und ich liess sie vorsorglich bei diesem Glauben. Die Köchin nahm mich dann beiseite und gab mir Brot und Käse zum Essen.

Abends dann kam die zweite Schüssel voll Fleisch- alle waren glücklich, dass ich nur die Fettlosen Stücke nahm, den je mehr Fett umso lieben haben sie es. Ihnen beim Essen zuzusehen ist eindrücklich, wie sie das Fleisch mit blossen Händen nehmen und sich Stück für Stück abbeissen- die Knochen blitzblank zurück bleiben- eine ganz und gar urchige Sache. Die fettigen Hände werden anschliessend gleich als Fettcreme für die Hände verwendet.

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Am Samstagabend war dann viel singen, spielen und reden angesagt. Irgendwann hab ich mich abgesetzt, da es mit meinem Sprachverständnis nicht ganz einfach war und ging früh ins Ger schlafen. Nachts irgendwann drängten sich zwei Frauen ganz nahe zu mir- sie hatten nur eine kleine Schlafunterlage und erhofften sich von mir etwas Platz von meiner und noch viel mehr Wärme, da es Nachts im zügigen Ger sehr kalt wurde. Morgens war draussen alles weiss mit Reifen überzogen.

Am Sonntagmorgen dauerte es dann einige Zeit bis alle aufstanden und so machte ich mich alleine auf den Weg den nächsten Berg hoch, wo ich mit der Morgensonne einen wunderschönen Blick hatte und die absolute Ruhe genoss.
Wieder unten zurück war eine Kindergärtnerin sehr erleichtert, mich wieder zu sehen, da sie sich Sorgen um mich gemacht hatte als sie merkte, dass ich alleine losgezogen war. Offenbar hat es in der Gegend sehr viel Wölfe die scheinbar dieses Jahr in der Mongolei schon drei Menschen getötet haben. Ich weiss nicht recht, ob ihre Sorge berechtigt war, den im Herbst sind die Tiere wohl recht gut gesättigt, hab ich doch auch dieses Jahr wieder einige tote Tiere gesehen.

Heute nun hab ich den Tag in der Stadt verbracht, hab einige mir vertraute Plätze besucht, war auf dem Markt und mir einfach nochmals diese pulsierende Stadt angesehen.
Nun gibt’s morgen noch den letzten Tag auf der Tagesstätte. Die Köchin will morgen noch lernen, wie frau Zopf bäckt, da sie von meinem beim Ausflug ganz begeistert war. Ja und dann heisst es schon wieder Abschied nehmen von allen. Wer weiss für wie lange!
Ich werde mich wieder reich beschenkt auf den Heimweg machen, einerseits mit schwerem Herzen hier wieder gehen zu müssen. Gleichzeitig freue ich mich auch wieder sehr auf Zuhause.

Bis zum nächsten Mal Mongolia, Bayartay

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  1. September 2015
    Es ist Freitagmittag, draussen scheint die Sonne, womit es heute rund 20 Grad ist.  Ich bin noch Zuhause und packe fürs Wochenende. Mit dem gesamten Team geht es aufs Land, worauf ich mich sehr freue. Wir können bei der Schwester der Köchin übernachten- ob es dann in einem oder in zwei Jurten ist, werde ich dann sehen. Auf jeden Fall nehme ich genug warme Kleider mit, da es nachts mit gegen 3 Grad doch schon sehr empfindlich kalt ist.
    Die Kosten fürs Wochenende teilen wir uns alle auf, damit kommen dann pro Person rund 5 bis 10 Franken an Kosten für Verpflegung und Benzin. Mit Zaya hab ich noch abgesprochen, dass wir beide bei Nomaden dort in der Nähe ein Schaf kaufen und allen spendieren. Ich bestehe da aber darauf, dass sie dann den Teil mit den Innereien nimmt und ich dann den Teil mit dem fettfreien Fleisch bekomme J ! Die Innereien sind für die mongolischen Leute ein Leckerbissen für mich einfach zum davon laufen- resp. ist es dann für mich Zeit, alleine eine längere Wanderung zu machen.
    Ich werde euch dann nächste Woche wissen lassen, wie manche Wanderung ich machen musste ;.)

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Gestern Abend ging ich noch mit an ein Volley- und Basketballturnier in einer Sporthalle einer Universität. Sämtliche LehrerInnen, Zaya und noch drei Männer spielten zusammen mit rund 10 Jungen Erwachsenen während rund 3 Stunden zusammen. Faszinierend, wie sie zusammen ein faires und aufgestelltes Spiel und dabei viel Spass hatten.

14.September

Die Tage hier vergehen ja so schnell. Schon ist meine Halbzeit hier um ich hab den Eindruck, noch gar nicht so viel gemacht zu haben.
Am Sonntag war es wirklich möglich, dass wir zu 10 in den Khustai Nationalpark fahren konnten und die Bayasgalantfrauen auch tatsächlich mit dabei waren, einen Hügel zu besteigen, um da oben dann genüsslich zu essen und noch viel wichtiger, sich fotografieren zu lassen. Die meisten sind noch so gerne Model und lassen sich dann so in den verschiedensten Posen festhalten. Für mich ist dies natürlich genial und bietet mir viele Möglichkeiten für schöne Bilder. Es ist immer wieder überwältigend, mit welcher Verspielt und Lebensfreude sie sich hin hinstellen und Ideen einbringen, was sie noch alles tun könnten um sich ins beste Licht zu bringen und damit einem perfekten Bild.

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Das Wetter zeigte sich am Sonntag auch von seiner besten Seite und mit strahlend, wolkenlosem Himmel war es wohl um die 28 Grad.
Auch heute ist wieder so ein warmer Sommertag auch wenn schon spürbar wird, dass der Herbst vor der Türe steht.

Morgen soll die Temperatur dann auf rund 18 Grad tagsüber sinken, womit es dann nachts wohl schon empfindlich kühl werden wird. So freue ich mich einerseits, dass nun in der ganzen Stadt in den Wohnungen die Heizungen angehen, womit ich es Zuhause dann wieder sehr warm hab. Ich erinnere mich gut an vorhergehende Aufenthalte hier, in diesen überheizten Räumen, die sich nicht regulieren lassen. Das verflixte daran ist, öffne ich die Fenster kommt viel Gestank rein von all den Menschen die in den Jurten leben und so ziemlich alles verbrennen was brennt, da sie sich Kohle oder Holz meist nicht leisten können. Auch tragen die glaubs 4 Kohlekraftwerke, die da durch Rohre die Wärme in die Stadt bringen, auch nicht gerade zu einer sauberen Luft bei. Damit ist es dann auch mit der Fernsicht definitiv vorbei, da sich eine Dunstglocke über die Stadt legt.

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Hier vor dem Haus sind sie seit rund 5 Tagen dabei, den Parkplatz neu zu machen. Ich muss da immer wieder zusehen, mit welch einfachen Mitteln sie dies bewerkstelligen. Da werden die grossen Randsteine mit blosser Kraft raus geholt und durch neue ersetzt. Mit etwas Betonpflüder, den sie mit der Schaufel links und rechts hin pflastern, ohne zu stampfen, sollte das Ganze dann wohl einige Zeit halten. Die Männer arbeiten nun schon jeden Tag daran, meist bis gegen 21 Uhr, wenn es schon recht dunkel ist und sie lediglich durch die Strassenlaternen Licht haben. Ich hab mir sagen lassen, dass die Männer pro Tag um die 20`000 Tugrik bekommen was in etwa 10 Franken sind. Für diese harte Arbeit erscheint mir dies um ein vielfaches viel zu wenig. Ob sie es deshalb so gelassen und langsam nehmen?
Mit dem Bus unterwegs entdecke ich immer wieder neues und staune, wie rasant sich die Stadt verändert. Mittlerweile ist es hier sehr sauber, mal abgesehen vom vielen Staub der einfach nicht weg zu bringen ist. Mir scheint, dass sie auch das Zeitalter der Festnetztelefonie ausgelassen haben und nun die meisten ein Smartphone haben.
Heute hab ich doch tatsächlich eine City Toilette gesichtet. Auch internationale Modelabel finden sich nun hier an vielen Orten. So kann ich locker Kleider von Jack Wolfskin, Ecco Schuhe, IKEA Gschmöis oder was weiss ich hier kaufen. Staune einfach über die Preise die vergleichbar mit der Schweiz sind und wo ich mich frage, wer sich dies hier leisten kann?
Ich kann mittlerweile auch getrost über Schachtabdeckungen gehen ohne Angst, dass dieser nicht hält. Mit diesem festen verschliessen hat die Regierung wohl erreicht, dass die Menschen, die in der Kanalisation leben nicht mehr in der City sichtbar sind. Am Stadtrand dann aber, wo Touristen kaum hinkommen zeigt sich dann ein anderes Bild.

Im Kindergarten von Bayasgalant
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  1. September 2015

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Ich konnte wieder mit Tulgaa auf die gleiche Tour wie letztes Jahr. Sehr spontan kam diese Möglichkeit, mit ihr mit zu fahren. Erst war unklar, ob wir noch nachts losfahren um am Sonntag dann für eine Feier am Ganga See zu sein. Doch es wurde dann Sonntagmorgen bis klar war, dass ich alleine mit Tulgaa losfahre.

Hab es sehr genossen, da wieder so in diese Weite raus zu fahren. Im Sukhbaatar Aimag finde ich es sehr eindrücklich, diese weite Landschaft zu sehen, die vielen Pferde die da so frei über die Steppe laufen. Dann gibt’s auch immer wieder unverhofft Begegnungen mit Gazellen. In einer Herde waren um die 40 Tiere, die aber sehr scheu sind und damit für mich so ziemlich unmöglich zum Fotografieren.

Zum Sukhbaatar Aimak sind es rund 800 Kilometer. Die ersten rund 7 Stunden geht’s via geteerter Strasse recht zügig voran, dann aber kommt die Steppenstrasse, wo das fahren sehr anstrengend ist, zumal es dann auch vulkanisches Gebiet mit vielen spitzen Steinen gibt.

Die erste Nacht haben wir im Auto geschlafen, mit dem nächtlichen Regen gut zu verbringen, doch vom Platz her- vor allem aufgrund der geringen Länge doch sehr unbequem. Doch irgendwie wurde es Morgen, auch wenn sich mein Rücken die Nacht durch nicht entspannen konnte.

Weiter ging es dann Richtung Norden, wo immer weniger Jurten zu sehen waren. Auch hatten wir die Strasse teils über Stunden alleine für uns. Die Landschaft war sehr grün, offenbar gab es den Sommer durch immer wieder Regen und immer wieder trafen wir auf Nomaden die dabei waren, dass wohl über längere Zeit getrocknete Heu als Strohballen zusammen zu pressen um dieses zu verkaufen oder dann selbst als Winterfutter ins Lager zu bringen.

Die zweite Nacht verbrachten wir dann an einem kleinen See beim Altan Bogh, den wir tags darauf umrundeten. Dieser heilige Berg sollte eigentlich drei Mal links herum umrundet werden, doch mangels Zeit, liessen wir es beim einen Mal bleiben. Auch war’s tagsüber mit dem trüben Wetter und starken Wind für mich bitter kalt und so war ich froh, wieder geschützt im Auto sitzen zu können.

Altan Bogd

Was ich bei diesen heiligen Bergen schon nicht so ganz verstehe ist, warum da nur Männer rauf dürfen, auch wenn es sich laut mongolischen Aussagen um weibliche Berge handelt? Tulgaa schüttelt darüber auch den Kopf, meint es sein doch komisch da doch alle Menschen aus dem Bauch einer Frau kämen und sie der Ursprung des Lebens sei. Doch sie respektiert diese Regelung und ich verkneif mir die Besteigung auch. Hier kommt für mich wieder stark die patriarchale Struktur der Mongolei zum Ausdruck, die ich im Alltag immer wieder antreffe.

Am dritten Tag fuhren wir wieder rund 7 Stunden zurück nach Baruun Urt, um bei Tulgaa`s Nichte zu übernachten, bei der wir schon letztes Jahr auf Besuch waren. Auch diesmal hat es mich wieder etwas verlegen gemacht, dass ich im einzigen Bett schlafen konnte und alle anderen im anderen Zimmer auf dem Boden schliefen. Frühmorgens dann hatte ich in meinem Zimmer regen Betrieb- ganz selbstverständlich kamen alle einfach rein um sich Kleider zu holen oder auch die Nichte, die sich da schminkte, da sie frühmorgens zur Arbeit gehen musste. Sie ist Direktorin einer staatlichen Schule mit rund 1700 Schüler.

Tags darauf machten wir uns dann wieder auf den Heimweg nach UB. Mit Tulgaa hab ich wieder eindrückliche Tage verbracht und wir beide konnten uns mit wenig Englisch und ich mit noch weniger mongolisch recht gut verständigen.

Zuhause angekommen hab ich es sehr sehr genossen, nach vier Tagen eine Dusche nehmen zu können und auch mal wieder frische Kleider anziehen zu können, von denen ich keine mit auf die Reise genommen hatte, da ich nicht mit einer viertägigen Tour gerechnet hatte. Doch eigentlich müsste ich es ja nach meinen vielen vorgängigen Reisen wissen, dass es auch länger als geplant oder abgemacht dauern könnte.

Gestern dann verbrachte ich wieder einen Tag auf der Tagesstätte und war mit Tumee auf Familienbesuche. Eine Familie hat mich wieder sehr berührt, die kein leichtes Leben haben, doch offensichtlich viel Eigeninitiative haben und sich trotz vielen Widrigkeiten durchs Leben kämpfen. Die Frau hat eine schwere Vergangenheit und verlor vor rund 15 Jahren durch einen Verkehrsunfall beide Beine. Ohne Hemmungen zeigte sie uns ihre Beinstummel die in Prothesen stecken, damit kann sie sehr gut laufen und auch Auto fahren. Am Bauch hat sie uns dann aber auch noch Wunden gezeigt, die eitrig sind. Sie sollte eigentlich ins Spital um noch eine Operation zu machen, doch fehlt derzeit das Geld dazu und da ihr Mann als Taxifahrer arbeitet ist es derzeit für sie auch schwierig einige Tage weg zu sein und nicht zu ihren drei Kinder schauen zu können. So schiebt sie wohl das ganze raus – irgendwie geht’s dann schon.

Das Ger macht auch einen schlechten Eindruck. Auf den Winter sollten sie eine zweite Schicht Filz darum wickeln, doch haben sie eine solche nicht. Damit sind sie dem kalten Winter sehr ausgesetzt und das Ganze ist so auch nicht mehr Wasserdicht.

Auf der Tagesstätte haben wir beraten, wie dieser Familie sofort geholfen werden könnte ohne dass sie in eine Abhängigkeit von Bayasgalant kommen. Dass ist recht heikel, doch ist klar, dass sie schnell Unterstützung brauchen. Ich freue mich, kann ich sicherlich von euren Spendengelder, die ihr mir in der Schweiz gegeben habt, einen Teil für diese Nothilfe einsetzten.


 

Angekommen

  1. September 2015

Gestern bin ich in der Mongolei angekommen. Es berührt mich immer wieder neu, wenn ich im Anflug auf Ulaanbaatar die Steppe unter mir sehe.
Dann ist es auch sehr eindrücklich, auf dem Weg in die Stadt zu sehen, wie viel gebaut wurde oder noch immer wird. Doch höre ich hier dann, dass sehr viele Wohnungen leer stehen, da die Leute diese nicht zahlen können. Bei einem Kauf müssen sie erst mal 25% des Kaufpreises bar zahlen, erst dann kann eine Hypothek aufgenommen werden, die sie dann Monat für Monat abzahlen.

Natürlich war ich dann bereits gestern Nachmittag auf der Tagesstätte, um alle dort zu begrüssen. Sie sind mir schon so vertraut und mustern mich auch immer sehr genau, wie ich den nun ein Jahr später aussehe. Sie selbst wollen auch meine Meinung hören zu sich selbst hören.

Im Kindergarten ist es mittlerweile sehr voll. In den beiden Räumen ist es sehr eng und ich staune über die Kindergärtnerinnen, die da mit teils gerade mal 1 jährigen den Tag verbringen.

Ja und mein Wohnen bei Amraa und Bagii ist doch einfach wunderbar vertraut. Die beiden haben mich so herzlich begrüsst und mich dann auch abends gleich bekocht.
Dieses komfortable Wohnen geniesse ich ja schon sehr. Derzeit ist es temperaturmässig noch schön warm- tagsüber um die 25 Grad und Nachts etwa die Hälfte weniger.

  1. September 2015

Nach einem Tag Zuhause, um meine Erkältung etwas zu kurieren, war ich nun den ganzen Tag auf der Tagesstätte. Schon morgens kam von einem der Hausabwarte deren Frau und überreichte mir frischen und getrockneten Käse. Dazu lädt sie mich in den kommenden Tagen zu sich nach Hause ein, da sie für mich ein Joghurt-Rahm Gemisch machen will, dass sehr sehr fein auf Brot schmeckt und ich von früheren Reisen noch in bester Erinnerung habe. Ich bin ab ihrer Freundlichkeit ganz gerührt.

Tagsüber war ich dann mit Tumee auf Familienbesuche. Witzig war dabei ja schon wie wir beide uns unterhalten haben. Sie spricht wohl an die 20 Wörter Englisch und ich bitz mehr mongolisch. Doch ging es trotzdem bestens und wir verstanden uns.
Familienbesuche sind für mich sehr spannend, da ich dabei Einblicke in die verschiedensten Familien bekomme und dabei auch meistens sehr gwundrig beobachtet werde. Als Gast ist es Tradition, dass mir etwas angeboten wird und sei dies wie heute einfach eine Schale heisses Wasser- wenn die Familie selbst schon einfach nichts anderes hat, oder dann gerne auch etwas getrockneten Käse oder Brot.
Unterwegs waren wir heute viel zu Fuss, dann aber auch mit dem Microtaxi, dass meist ziemlich überfüllt mit Fahrgästen ist, dafür aber gerade für kürzere Strecken billiger als der Bus, der pro Fahrt- egal wie lange 25 Rappen kostet. Oder die dritte Möglichkeit ist auch noch, statt im Bus zu bezahlen, sich von einem privaten Auto mitnehmen zu lassen und denen dann das Busgeld zu geben.

Bei den Familien haben wir dann ganz unterschiedliche Situationen angetroffen. Eine Frau hat mich sehr beschäftig, die sich nach einiger Zeit von ihrem Mann getrennt hat, da sie von diesem immer wieder geschlagen wurde. Nun möchte sie sich scheiden lassen, auch damit sie dann für die drei Kinder Alimente bekommt. Doch nur schon für die Scheidung, die an die 50 bis 100 Franken für all die Formulare kostet, kann sie sich nicht leisten. Wir klären nun, ob Spendengelder dafür eingesetzt werden können.

Ganz am Stadtrand aussen waren wir dann noch bei einer Frau, die drei Kinder hat. Sie näht sehr schön und gut und hat uns stolz ihre Finken und Filztiere gezeigt. Sie schien mir in ihrem einfachen Zuhause so zufrieden, auch wenn ich um die Schwierigkeiten und dass harte Leben weiss. Solche Menschen berühren mich immer wieder ganz tief. Was nur habe ich doch immer wieder für Probleme in der Schweiz, die mir hier so nichtig erscheinen. Diese Menschen, so scheint mir, wissen nicht wie sie morgen dass allernötigste zum Leben haben, doch beherrschen sie die Kunst, im Moment zu leben und darauf zu vertrauen, dass es dann schon irgendwie geht.


Ich freue mich riesig, im September 2015 wieder drei Wochen in “ meiner zweiten Heimat“ verbringen zu können. IMG_6504 (2014_11_10 10_52_44 UTC)_MG_9449

Ab 3. September lasse ich euch dann gerne an meinem Alltag in und um Ulaanbaatar teilnehmen.

Bayartay

Mongolia 2014

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  1. Oktober 2014

Ach war das schwer, wieder Abschied zu nehmen. Amraa stand um sechs Uhr wegen mir auf und als Zaya zur vereinbarten Zeit noch nicht da war meinte sie: Sie kommt nicht mehr – hat dich vergessen und so bleibst du nun bei uns.
Doch aus Amraas Wunsch wurde nichts,  Zaya kam dann doch noch mit etwas Verspätung, um mich auf den Flughafen, der rund eine halbe Stunde vom Zentrum entfernt ist, zu fahren.

Der Rückflug in die Schweiz verlief ohne Probleme. Es ist schön wieder in meinem Zuhause zu sein, gefüllt mit vielen Geschichten die ich Josephine zu erzählen hab. Ich schätze hier wieder ganz viel- das zum Beispiel einfach Wasser direkt vom Hahnen trinken können- ein kostbares Geschenk. Dann auch das viele Grün hier, dieses geordnete Leben, in dem ich mich so einfach orientieren kann. Doch vermisse ich auch schon wieder etwas die Mongolei.

Hier bin ich nun wieder mitten am planen und vergesse ganz schnell, im Moment zu leben und einfach zu nehmen was ist, so wie ich dies in der Mongolei er -lebe.

 

  1. Oktober

Mein letzter Tag in der Mongolei habe ich mir ganz anders vorgestellt. Gestern noch ass ich mit Amraa und Bagii zusammen Znacht. Sie kochten extra für mich ein mongolisches Essen. Kaum fertig gegessen, spürte ich schon meine auf Hochtouren kommende Verdauung und kurze Zeit später wurde mir dazu auch noch schlecht. Die beiden meinten- wie ich dies in der Mongolei immer wieder höre- trink einen Vodka und dann geht es dir wieder gut. Doch dieser machte nur noch alles schlimmer und so legte ich mich ziemlich Elend ins Bett. Die Nacht war dann gar nichts erholsames, immer wieder musste ich aufs Klo und gegen Morgen kam dann auch noch Fieber dazu. Ich hatte da wohl eine zünftige Lebensmittelvergiftung erwischt.
Mit vielen Tabletten schaffte ich es, gegen morgen etwas Ruhe zu finden und gegen acht dann auch aufzustehen. Der Gang zum Bus fiel mir schwer und ich musste wieder umkehren. Zaya bot mir dann an, mich mit dem Auto abzuholen und so kam ich doch noch auf die Tagesstätte. Mittlerweile ging es mir auch immer besser und so konnte ich mich von allen verabschieden. Es war ein schwerer Abschied und einige wollten mein Wort, dass ich nächstes Jahr wieder komme.

Mit viel Kasmir- Yak- und Schafwollenkappen und -Socken bepackt, werde ich mich nun auf die Heimreise machen. Dazu trage ich auch viele schöne Momente mit meinen Mongolischen Menschen in mir. So viele eindrückliche und herzliche Begegnungen. Witziges, ärgerliches und manchmal auch nervige Situationen nehme ich mit nach Hause. Doch ist mir jetzt schon am letzten Abend klar, dies war nicht mein letzter Aufenthalt in der Mongolei.

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  1. Oktober 2014

Meine Zeit hier vergeht im Fluge, schon übermorgen bin ich wieder Zuhause. Die 20 Tage waren so schön gefüllt mit ganz vielem. Konnte viel mehr als ich erhofft hatte aufs Land und hab dies sehr genossen. Immer wieder diese Weite, Hügel die Baumlos sind und nun mit der Herbstfärbung für meine Augen einfach wunderschön sind. Hätte Lust, da tagelang zu laufen doch hält mich der immer wieder sehr starke Wind von diesem Vorhaben ab.

Mein Arbeitsweg in die Tagesstätte finde ich immer wieder auf neue spannend. Wo der Bus bei der Haltestelle genau seine Türen öffnet ist immer Glückssache und dann wird von allen raus und rein gedrängt, für ältere Menschen so stelle ich mir vor, ein Horror.
Kaum sitzend kommt dann eine Person um das Bussgeld einzunehmen. Ich bezahle hier für eine Fahrt, egal wie weit rund 25 Rappen. Dann geht’s je nach Temperament des Fahrers los und ich kann einfach hoffen, dass mein Sitz fest geschraubt ist, ansonsten ist das ein mühseliges festhalten. Was noch fast durchwegs normal ist, dass älteren Menschen (mir mit grauen Haaren auch) wie auch schwangeren oder Personen mit Kleinkind ein Sitzplatz angeboten wird.
Unterwegs gibt’s dann viel zu sehen, wie Leute vor ihren Geschäften staub wischen, für mich eine Sisyphusarbeit, den kaum kommt ab dem Mittag der Wind auf, ist es eh wieder dreckig. Oder all die vielen Autos, bei denen gerade ein Radwechsel gemacht wird. MongolInnen unterwegs in ihrer traditionellen Kleidung dem Deel, mit seinen Farben einfach eine Augenweide.

Letzte Woche war ich wieder mit zu einem Familienbesuch. Diesmal kam Zaya mit, um mir als Übersetzerin zu dienen, da ich hören wollte wie Tumee die neue Sozialarbeiterin solche Gespräch führt. So bekam ich fast wortwörtlich alles mit, was gesprochen wurde und mein Herz wurde mal wieder sehr schwer. Schon beim Eintreten in die Jurte war klar, dass diese Familie sehr arm sein muss. Sie leben zu fünft in einem sehr sehr kleinen Ger- es steht lediglich ein schmales Bett drin, sicherlich drei werden jeweils am Boden schlafen, was für mich im Winter mit den extremen Minusgrad kaum vorstellbar ist.

Die Mutter entschuldigte sich, dass sie uns nur pure Mantuu anbieten konnte- sowas wie im Dampf gebackenes Brot, da sie derzeit kein Essen hätten. Nebst dem Mädchen(das zweite war noch in der Schule), die zu uns in die Tagesstätte kommen war da auch noch ein neun Monatiges Mädchen anwesend, dass derzeit eine Lungenentzündung hat, doch für Medikamente fehlt den Eltern das Geld. Da die jüngste noch so klein ist, muss die Mutter zuhause bleiben, der Vater versucht täglich etwas Geld zu verdienen. Die Eltern sind beide krank, uns wurden von ihrem Mann Röntgenbilder vom kranken Magen gezeigt.

Weiter erzählte uns die Mutter, dass die Lehrerin sich schon beklagt hat, dass das älteste Mädchen keine Schuluniform hat. Erst letztes Jahr hatten sie Geld für eine solche gespart, doch dieses Jahr mussten nun alle ein anderes Model kaufen. Doch eine solche Uniform kostet zwischen 30 und 40 Franken, die Familie hat aber lediglich ein fixes Einkommen von monatlich 30 Franken, dass sie vom Staat als Kindergeld bekommen.

So viel Elend zusammen ist für mich ganz schwer zu ertragen. Am liebsten hätte ich mein Portemonnaie genommen und einfach all mein Geld gegeben. Doch langfristig ist dies auch keine Lösung. Doch für erste gingen wir anschliessend gleich Medikamente für die Kleine kaufen und Tumee wird dem einen Mädchen eine Schuluniform besorgen. Im Weiteren wird die Familie darin unterstützt, dass sie vom Bezirk Lebensmittel bekommen. Damit dies geschieht braucht es offenbar sehr viel auf die Nerven gehen, bis mal jemand vor Ort kommt um sich zu überzeugen, dass diese Familie wirklich Unterstützung braucht.
Vielleich kann dann auch noch ein Spender gefunden werden, der/die mal eine Ladung Kohle finanziert damit die Familie über den kalten Winter kommt. Und zu guter Letzt wird die Sozialarbeiterin von Bayasgalant auch noch Unterstützung in der Jobsuche bieten.

Im Team fühle ich mich sehr wohl und es hat mich riesig gefreut, dass sie auf zwei Wünsche von mir eingegangen sind. Am Samstag kamen alle vom Team und auch etliche Kinder im Deel auf die Tagesstätte. Eigentlich ist erst im November der offizielle Tag an dem alle diese traditionelle Kleidung tragen. Für mich war es ein Traum zum Fotografieren und nachmittags war es dann auch für mich dran, einen solchen anzuziehen und mit auf das Gruppenbild zu kommen.

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Ja und gestern Sonntag- es war ja kaum zu glauben, war morgens um 8 Uhr auf der Tagesstätte Besammlung. Ich hatte es geschafft, dass alle vom Team (ausser die Hausabwarte) zum Wandern kamen. Mit einem gemieteten Bus ging es dann in den Zentralaimak zu einem Kloster, wo alle 14 Frauen den Berg hoch kamen. Dabei gab es sehr viel zu lachen und reden, sie liessen sich liebend gern von mir in den verschiedensten Posten und Gruppenzusammensetzungen fotografieren.
Zum Mittagessen hatten alle was dabei und dieses wurde dann in die Mitte gestellt und mit allen geteilt. Anschliessend vernahm ich, dass wir noch bei der Schwerster einer der Köchinnen eingeladen sind, die in der Nähe zuhause ist und natürlich wurde auch da wieder gekocht. Als Vorspeise gab es …. Murmeltier. Das kann ich so nicht ausstehen und finde ich schon zum Anschauen mit dem ganzen Fett einfach übel. Doch wie schon oft erlebt, fanden es alle einen Leckerbissen und verstanden mein Widerwille nicht. Mittlerweile ist die Strafe fürs töten eines Murmeltieres 1 Million Tugrik- rund 500 Franken, doch das scheint niemanden ab zu schrecken. Ich vermute mal, in einigen Jahren gibt es hier keine solchen Tiere mehr. Zurück nach Ulaanbaatar ging es dann im Licht der untergehenden Sonne, traumhaft dieses Licht.

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Heute nun habe ich meine letzten Besorgungen gemacht und nochmals so richtig mongolisches Leben getankt. Morgen dann werde ich nochmals einen Tag auf der Tagesstätte arbeiten um mich dann zu verabschieden- ich hoffe nicht für allzu lange Zeit. Am Mittwochmorgen geht dann mein Flug über Berlin zurück in die Schweiz.

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  1. Oktober 2014

Übers Wochenende wurde es möglich, dass der Kindergarten ans Stromnetz angehängt werden konnte und damit die Räumlichkeiten geheizt waren. Und damit war heute Start dieses Betriebes. Es kamen bereits 40 Kinder zwischen 2 bis 5 Jahren, Platz hat es dann insgesamt für 50 Kinder. Dass noch nicht alle angemeldeten Kinder kamen hatte damit zu tun, dass noch nicht alle die ärztliche Bescheinigung hatten, dass sie gesund sind. Nach mongolischen Vorschriften, müssen die Kinder alle den Urin untersuchen lassen um sicher zu gehen, dass sie weder Hepatitis, Würmer oder sonst welche Krankheiten haben.

Der Betrieb war dann heute für den ersten Tag noch recht chaotisch. Viele Kinder hatten Mühe so ohne Mutter oder Vater mit so vielen Kindern zusammen zu sein und so waren wir alle gefordert zu trösten, nasse Hosen zu wechseln oder den kleineren Kindern das Essen ein zu geben. Ihr hättet erleben sollen, wie die Kinder dann mittags wie Sardinen in eine Dose gebettet alle ihren Mittagsschlaf machten- wobei es etliche Zeit brauchte, bis dann auch wirklich alle zur Ruhe kamen.

Seit meiner Ankunft hier beschäftige ich mich stark mit den behinderten Kindern auf der Tagesstätte. Diese Kinder haben hier ein schweres Leben wie zum Beispiel das 18 jährige Mädchen das mit ihrer Mutter und zwei Geschwister in einer Jurte lebt. Sie kann nicht laufen und sitzt zu Haus dann einfach auf dem Bett oder im Rollstuhl. Raus gehen ist fast nicht möglich, den in den Gerviertel sind die Strassen nicht geteert und damit ist sie räumlich gefangen. Bogi holt sie nun vier Mal pro Woche mit dem Auto ab und auf der Tagesstätte besucht sie nun das erste Mal den Unterricht und lernt zu lesen. Auch werden mit ihr nun möglichst oft Körperübungen gemacht, um ihrer Spastik etwas entgegen zu setzten. Da die Tagesstätte aber nicht für behinderte Kinder gebaut ist, bedingt ihre Anwesenheit immer wieder viel Improvisation. Will sie in den oberen Stock ins Schulzimmer, muss sie samt Rollstuhl die Treppe hoch getragen werden und beim Duschen müssen bis zu drei Personen mithelfen.
Im Gespräch mit der Mutter, das Bogi mir übersetzte,  habe ich erfahren, dass diese ihrer Tochter täglich wohl maximal 3 dl. zu trinken gibt, denn das Klo ist draussen und bedingt für die Mutter einen grossen Kräfteaufwand. Im Winter bei oftmals gegen – 30 Grad ist dies fast unmöglich.
Dank Spendengelder, die mir hierher mitgegeben wurden konnten wir nun zwei mobile WCS kaufen, sodass dieses Problem nun hoffentlich kleiner wird und das Mädchen nun auch die dringend benötigte Flüssigkeit zu sich nehmen kann.

Im Weiteren beschäftigt mich ein Junge sehr, der letztes Jahr durch eine deutsche Hilfsorganisation von Orthopäden und Physiotherapeutinnen untersucht werden konnte und dann auch an den Füssen operiert wurde. Doch leider hat die Mutter mit ihm die verschriebenen Übungen nicht gemacht und er trug die Schienen auch viel zu lange, sodass mir nun seine Muskeln sehr geschwächt zu sein scheinen. Von beiden Seiten gestützt kann er zwar eine kurze Distanz recht gut laufen, doch braucht er dringend noch angepasste Orthesen. Diese versuchten wir heute nun in der Rehaklinik zu bestellen, doch wie ich dies immer wieder hier in der Mongolei erlebe, ist dies ein Vorhaben, das Tage brauchen kann. So waren wir heute mit dem Jungen in zwei Kliniken, doch in beiden war nichts zu machen. In der einen konnte ich es fast nicht fassen als uns gesagt wurde, dass dieses Krankenhaus umgezogen ist und keine Ärzte mehr im Haus sind. Doch all die Patienten die im Rollstuhl oder an Stöcken laufen müssen, sind noch in diesem Haus, da es im neuen keinen Lift hat! Kaum zu fassen oder?
Doch zurück zu den Orthesen- morgen werden wir zu einer weiteren Praxis fahren und ich hoffe doch sehr, dass es möglich wird, dass dieser Junge die dringend benötigten Schuhe bekommt.
Wunderschön war heute mit ihm der Augenblick als er zum ersten Mal in seinem Leben, ohne von einem Menschen gestützt zu werden mit einer Gehhilfe ganz alleine und so glücklich seine ersten Schritte machen konnte. Euch SpenderInnen die ihm dies ermöglicht haben, hab ich hier ein Foto von ihm.

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  1. Oktober 2014

Ich hab dieses Jahr meinen Flug extra früher geplant, in der Hoffnung, hier den farbigen Herbst anzutreffen und gehofft, dass es noch nicht so kalt ist. Nebst der Arbeit auf der Tagesstätte hoffte ich auf viele Wanderungen und so nahm ich letzte Woche Kontakt mit Gozo auf um zu hören, was für Wander- Touren wohl noch in meiner Zeit hier in Ulaanbaatar geplant sind. Gross war dann die Enttäuschung zu hören, dass am Sonntag ein Marathon stattfindet bei dem ich nicht mit laufen kann, da es dazu eine vorgängige Anmeldung brauchte. Ja und den Sonntag darauf ist wieder nichts mit wandern, da der Hikingclub das 3 jährige Jubiläum feiert und dazu in ein Restaurant geht.

Meinen Frust erzählte ich dann Zaya und fragte sie, ob sie eine Idee hat, wie ich doch noch raus in Natur komme. Und siehe da, eine Freundin von ihr hatte am nächsten Tag vor, ganz in den Osten an die Chinesische Grenze zu fahren und diese suchte noch MitfahrerInnen. So kam es, dass ich noch gleichentags packte und mit Amraas Unterstützung auch gut gerüstet für die Kälte war.

Tulga
Tulga

Am Freitagmorgen wurde ich dann von Tulga mit ihrem Jeep abgeholt. Ziel war für diesen Tag die Hauptstadt des Sukhbaatar Aimak Baruun Urt, rund 650 Kilometer von Ulaanbaatar entfernt. Es wurde eine sehr lange Reise, da wir ab der Hälfte in starke Gewitter kamen- die rund um uns herum tobten. Abends kamen wir sehr müde bei Tulgas Verwandten an und waren innert kürzester Zeit im Bett. Respektive ich lag in einem Bett- mir wurde dieses von der Mutter und Tochter zur Verfügung gestellt, während sie im Wohnzimmer auf dem Teppich schliefen.

Am nächsten Tag machte ich mir mein gewohntes Frühstück- Joghurt mit einem Apfel. Damit glaubte ich, für die nächsten Stunden erst mal gegessen zu haben. Ich hätte es verschiedenen Erfahrungen wissen sollen, dass dem doch nicht so ist. Bereits eine Stunden später war Altannawch am Kochen, Nudelsuppe mit Pferdefleisch, wovon ich reichlich bekam.

Danach ging`s auf Verwandtenbesuch wo erneut wieder für uns gekocht wurde- einfach eine grosse Schüssel mit Fleisch und dazu Buuz (gefüllte Teigtaschen mit Fleisch). Nach noch verschiedentlichem warten (auf was auch immer war mir nicht ganz klar) und dies und jenes besorgen ging es dann los- mit dabei war Altannawch`s Tochter.
Es wurde eine wunderschöne Fahrt durch golden leuchtende Steppenlandschaft, die zwischenzeitlich einfach topferdengerade war. Für mich wurde es zu einem totalen eintauchen in eine Landschaft, die mich sehr ansprach. Immer wieder begegneten wir unterwegs grossen Gruppen von Gazellen. Auf dieser Steppenstrasse die teils sehr tückisch mit grossen Löchern und spitzigen Lavasteinen war, begegneten wir in den vier Stunden selten einem anderen Fahrzeug. Auch waren nur ganz wenige Jurten in Sichtweise. Tulga wusste auch keine Antwort, warum dieser Landstrich so wenig bewohnt ist.

In der Dunkelheit kamen wir dann bei einem Jurten Camp an und die Wahl war, dort für rund 30 Franken zu übernachten oder noch bis zum Shilin Bogd hoch zu fahren und im Auto zu übernachten. Die zweite Variante war für mich gar nicht verlockend, stellte mir vor, wie wir drei verkrümmt im Jeep bei laufendem Motor den Schlaf suchen, während draussen die Temperatur empfindlich stark ins Minus geht. So übernahm ich die Kosten für eine Jurte. Die ersten drei Stunden kam der Besitzer immer wieder rein und heizte den Ofen gewaltig mit Kohle ein, sodass wir nur mit geöffneter Türe schlafen konnten. Doch dies störte den Besitzer offensichtlich und immer wieder schlug er die Türe zu – wir wieder auf- es war wie ein Spiel. Gegen morgen, als dann die Kohle verbrannt war, wurde es dann aber sehr kalt und ich wünschte mir die abendliche Hitze zurück.

Shilin-Bogh

Um fünf war für uns Tagwacht, da wir auf den heiligen Berg Shilin Bogd gehen wollte um bei Sonnenaufgang unsere Wünsche dem Himmel zu übergeben. Es wird erzählt, dass diese Wünsche auch in Erfüllung gehen und so hatte ich einige, die ich übergeben wollte.
Bei minus 12 Grad standen wir dann mit rund 100 mongolischen Leuten zusammen bei einem mächtigen Ovoo auf dem Berg und erwarteten die Sonne, um diese gemeinsam zu begrüssen. Als sie dann aufging, war ein reger Betrieb- rund herum wurden Milch- Vodka und sonst welche Gaben in alle vier Himmelsrichtungen verteilt- was uns teils wie Regentopfen überschüttete.

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Danach ging es dem Vulkanrand entlang- so wie immer in der Mongolei üblich links herum wieder runter zu Auto. Unser nächstes Ziel war ein See mit vielen Schwänen, die sich hier alljährlich zusammen finden um gemeinsam in wärmere Gegenden zu fliegen. Warum sie bei diesen kalten Temperaturen überhaupt noch da waren ist mir ein Rätsel, den bei rund – 5 Grad und einem bissigen Wind dazu- war es für mich sehr kalt. Der See war teils schon gefroren.

Weiter ging es dann zum nächsten heiligen Berg, auf den nur die Männer gehen dürfen. Oben steht eine goldene Statue, für die die Leute Gold spenden. Tulga erklärte mir, dass für sie dieser Berg weiblich ist und aus Respekt für sie, geht dort keine Frau hinauf. Warum dann aber die Männer? Sie meinte dazu- diese würden dies einfach nicht spüren, so wie Männer halt seien. Wir drei umrundeten dann den Berg links herum und Tulga gab immer wieder Milch als Opfergaben. So war es für uns eine sehr andächtige Umrundung, bei der wir drei alleine unterwegs waren. Eigentlich wäre es gut, drei Mal herum zu gehen, doch dazu blieb und die Zeit nicht. Wir wollten doch wieder zurück in die Stadt um dort nochmals zu übernachten. Bereits wurde es dunkel und für mich wurde es eine sehr mystische Rückfahrt. Ein so klarer Sternenhimmel habe ich schon lange nicht mehr gesehen- Sterne die durch die flache Landschaft bedingt bis zur Erde reichten, einfach wunderschön.

Gestern dann, fuhren wir nach wieder viel essen und noch einem Verwandtenbesuch zurück nach Ulaanbaatar. Witzig waren unterwegs immer wieder die Begegnungen, wenn wir irgendwo stoppen um etwas zu trinken oder zu essen wurde Tulga angesprochen, ob wir beiden Frauen den alleine auf dieser langen Reise unterwegs seien. Dies ist für die Mongolen ein ungewohntes Bild.

 

  1. Oktober 14

Nach zwei Tagen arbeiten auf der Tagesstätte bin ich schon wieder mitten im Alltag angekommen. Die Eindrücke sind so dicht, was ich hier erlebe und höre. Dass ich die mongolische Sprache so wenig beherrsche macht mich recht müde, wenn ich den ganzen Tag durch bemüht bin, wenigstens einige Worte aus den Gesprächen zu verstehen.

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Auf der Tagesstätte wäre der Kindergarten eigentlich startklar, doch fehlt noch der Stromanschluss der zum Heizen der neuen Räumlichkeiten notwendig ist. Hier braucht es von der Chefin viel Verhandlungsgeschick und sehr gute Beziehungen ohne die hier so ziemlich nichts geht. Sobald der Anschluss da ist wird es losgehen. Es herrscht hier akuter Mangel an Plätzen und so sind jetzt schon gegen 40 Kinder auf der Warteliste. Damit dann alles eingerichtet ist, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren- die Nähmaschinen laufen den ganzen Tag durch um Kissen und Deckenbezüge für all die Kinder zu nähen.
Der Ablauf im Kindergarten ist recht streng geregelt. Morgens kommen die Kinder zwischen 8 bis 9 Uhr. Es gibt dann zB. Musikunterricht und Gymnastik. Mittags schlafen die Kinder alle eine Stunde um dann nachmittags wieder Programm zu haben. Natürlich gibt es neben dem Unterricht auch Platz zum Spielen und die Kinder bekommen drei Mahlzeiten pro Tag.

Gestern Abend habe ich um 20 Uhr noch viele jüngere Kinder in Schuluniformen unterwegs gesehen und hab mir durch Zaya erklären lassen, dass diese zu dieser Zeit aus der Schule kommen.
Es herrscht hier in Ulaanbaatar akuter Schulhausmangel- einige Schulen mussten wegen Einsturzgefahr auch geschlossen werden. So werden die Kinder auf die Häuser verteilt und es ist normal, dass es pro Klasse um die 50 Kinder gibt die von einer Lehrperson unterrichtet werden. Pro Tag gibt es drei Schichten, so kommt es also, dass viele erst am späteren Nachmittag zur Schule gehen und so spät abends erst nach Hause kommen. Wie die Kinder unter diesen Umständen (2bis 3 Kinder teilen sich einen Platz) lernen bleibt fraglich. Umso wertvoller scheint mir, dass die Kinder auf der Tagesstätte die Möglichkeit für Aufgabenhilfe bekommen und wie ich immer wieder höre, sehr gute Noten erzielen.
In die Tagesstätte kommen nun täglich um die 80 Kinder.

 

  1. Oktober 2014

Drei Tage später als ursprünglich geplant, bin ich in der Mongolei angekommen. Mein Flug war auf letzten Mittwoch geplant, doch wurde dieser nach Berlin kurzfristig abgesagt, da sie in Berlin eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg entschärfen mussten und dazu alles geschlossen wurde. So ging`s nochmals für drei Tage nach Hause zum Warten, um dann gestern wieder ein zu checken. Eine sehr nervige Angelegenheit.

Heute Morgen bin ich pünktlich nach einer kurzen Zwischenlandung in Moskau in Ulaanbaatar angekommen. Schon im Anflug hab ich sehr über die Veränderungen gestaunt. Aus der Luft waren viele Felder- wohl im Sommer mit Getreide angepflanzt, zu sehen. Dann einfach wieder diese Weite zu sehen, mit vereinzelt weissen Punkten von den Jurten, einfach wunderschön und ein Gefühl von Vertrautheit. Doch habe ich nicht mehr wie bei den ersten beiden Reisen diese absolute Verklärtheit, wie schön doch dass Nomadenleben ist. Sondern vielmehr denke ich jetzt auch an das beschwerliche Alltagsleben. ZB. jetzt wenn es früh morgens noch so dunkel ist, trotzdem raus zu müssen auch bei minus 14 Grad, um die Kühe zu melken. Wie mag es wohl Zurigo und Tuya gehen, bei denen ich zwei Mal für einige Tage auf Besuch war und die nun wohl beide auch gegen 60 gehen?

Doch nun zurück zu meiner Ankunft: Von Zaya wurde ich vom Flughafen und in mein „Zuhause“ bei Bagii und Amraa gefahren. Ich hab mich sehr übers wiedersehen gefreut und wurde auch von ihnen mit einer grossen Herzlichkeit willkommen geheissen. So war es wieder wie ein nach Hause kommen in alt vertrautes und doch wieder so viel Neuem.

Mit Amraa war ich am Nachmittag unterwegs in der Innenstadt. Wahnsinn, mit welcher Geschwindigkeit hier gebaut wird. Vor allem Hochhäuser auf engem Raum sind hier viele zu sehen. Schon letztes Jahr wurde ich eindringlich gewarnt, Baustellen grossräumig zu umgehen, da es nicht selten vorkommt, dass Bauteile runter fliegen und es dabei auch schon mal tote geben kann.

Heute Abend nun kämpfe ich nun gegen die Müdigkeit. Beschäftige mich mit allem möglichen und da ist auch Amraa, die es sehr geniesst mit mir viel zu reden.  Wir haben zusammen geübt, ein Vollkornbrot zu backen, was sie nun täglich machen will.
Hier in der Wohnung kommt auch wieder diese Vertrautheit- die grosse Wärme durch die nicht regulierbare Heizung die viel zu heiss ist. Da dann das Dilemma, was ich dagegen tun soll, den öffne ich das Fenster kommt viel Gestank von draussen rein von all den Abgasen und Gerüche von verbranntem, dass die Leute aus Mangel an Holz oder Kohle zum Heizen brauchen. So sitze ich jetzt im T-Shirt und barfuss am Computer.

Mongolia 2013

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Abschied zum 4ten Mal von der Mongolei

Erstellt am 6 November 2013

Kindertagesstätte Bayasgalant

Gestern hatte ich noch die noch Möglichkeit, das Unfallkrankenhaus von innen zu sehen. Eigentlich wollten wir ja mit einem Mädchen zur Computertomographie gehen, doch dazu mussten wir sie erst anmelden, die 270`000 Tugrik (rund 140 Franken) bar bezahlen, um so dann einen Termin für nächste Woche zu bekommen. Über ingesamt vier Anmeldestationen gelang uns dies dann auch tatsächlich! Als ich da im Spital so sah, wie es zu und her geht, hab ich ja schon meine grössten Zweifel bekommen- das eine Behandlung für das Mädchen dort gut ist. Als dann jedoch eine Ärztin auf uns zu kam und diese mich mit meinem Namen ansprach, war ich ganz irritiert und zugleich sehr erleichtert, da eine Bekannte aus dem Hikingclub zu treffen und so zu wissen, dass dieses Mädchen in guten Händen ist.

Ja und ansonsten hab ich einfach gestaunt- wie es in diesem Krankenhaus zuging. Dauernd wurden Liegen mit Kranken darauf von ihren Angehörigen zum Röntgen geschoben, Verletzte reihten sich in die Warteschlange ein- an Verletzungen war so ziemlich alles zu sehen. Mir schien es da drin auch eine richtige Virenschleuder zu sein- und doch so faszinierend, einfach zu beobachten. Ich hätte mich wohl stundenlang dahin setzten können- am liebsten hätte ich auch fotografiert.
Der Gegensatz zur Schweiz ist so riesig. Bogi hat mir so einige Geschichten erzählt- zB. das wenn es auf den Stationen keinen Platz hat, die Kranken irgendwie – irgendwo hingelegt werden. Was bin ich dankbar, musste ich noch nie selbst als Patientin in einen solchen Spital!

Immer wieder erschreckt es mich, wie mit Medikamenten umgegangen wird. Auch in diesem Krankenhaus gibt es eine Apotheke, da die Angehörigen die Medikamente oft selber kaufen müssen. Im Gestell stehen auch Antibiotika, die frei erhältlich sind und gerne schon beim Aufkommen einer Krankheit einfach aufs Gutedünken hin oder auf Empfehlung von Bekannten eingenommen werden.

Nach dem Krankenhaus besuchten wir noch die drei Kinder, die uns letztes Jahr so grosse Sorgen gemacht hatten, da sie damals in einem Umfeld mit schrecklich viel Gewalt lebten. Meist waren sie auf sich selbst gestellt, da der Vater Alkoholiker ist und immer wieder ins Gefängnis muss. Die Mutter trinkt auch sehr viel und kümmert sich nicht um die Kinder.
Die drei leben nun in einem Heim und scheinen dort sehr glücklich zu sein. Auf unser Fragen hin, wo sie leben möchten kommt klar die Antwort, im Heim. Witzig ist, dass sie da Deutsch lernen- so haben sie mich mit Stolz auf Deutsch begrüsst und mich nach meinem Namen gefragt.
Mich hat es riesig gefreut, sie da so zufrieden und lachend nach einem Jahr wieder zu sehen, hatte ich doch noch ganz andere Bilder von ihnen in Erinnerung. Ich hoffe ganz fest, dass sie nun mit diesem Zuhause eine grössere Chance auf ein besseres Leben haben.

Letzte Nacht hat es geschneit und so ist die Stadt nun wie mit Puderzucker bestreut. Mit dem Wetter hatte ich ja schon Glück, war es doch tagsüber meist über dem Gefrierpunkt. Doch die Wetterprognosen zeigen für die nächsten Tage einen Rückgang der Temperatur an- so wird es am Samstag gegen – 10 Grad werden, mit dem Wind fühlt sich dies dann wohl wie -20 Grad an.

So nehme ich nun nach drei spannenden und intensiven Wochen wieder Abschied von meinem Sehnsuchtsland und freue mich schon darauf- irgendwann wieder hierher kommen zu können. Vielleicht schon nächstes Jahr?

Auf meiner Homepage werde ich Zuhause dann noch einige Fotos von meinem jetzigen Aufenthalt hochladen.  www.lisafischer.ch/gallery

Auf http://www.bayasgalant.ch könnt ihr zudem immer aktuelle News zur Kindertagesstätte lesen.

Bayartay

Dschingis Khan Geburtstag

Erstellt am 4 November 2013

Nächste Woche kommen aus der Schweiz zwei Männer, die einen Dok über das mongolische Leben machen. Mitte Woche waren wir deshalb auf dem Naraantuul-Schwarzmarkt um Obdachlose zu finden, die bereit sind, sich filmen zu lassen. Ich hatte erst ja schon Berührungsängste mit diesen so krank aussehenden Menschen, einige waren auch recht betrunken. Bogi ging da aber ganz natürlich rein und schnell hatten wir die Aufmerksamkeit von einigen Personen geweckt, die um uns rum standen und zuhörten, was unser Anliegen ist. Mit einem Mann kamen wir dann in ein längeres Gespräch- er lebt schon lange auf der Strasse und sucht sich für die Nächte irgendwo einen Schlafplatz. Irgendwo- dies im Winter bei – 30 Grad? Unvorstellbar für mich auch mit dem Wissen dass es da keine Hilfsorganisation gibt, die solche Menschen aufsucht.
Einige leben im Winter dann auch in der Kanalisation unten, wo es vergleichsweise warm ist.
Verschiedene Personen erzählten dann da auf dem Schwarzmarkt von ihren Problemen und baten uns um Hilfe. Dieser Moment war einfach grässlich, soviel Armut zu sehen und mich dabei so Ohnmächtig zu fühlen, diese Ungerechtigkeit.

Am Freitag haben wir einen Jungen im Krankenhaus besucht. Das erste Mal hab ich so eine Einrichtung gesehen, bei der es mir ab der Behandlungsmethoden nicht den Magen gekehrt hat, sondern wo ich ein sehr gutes Gefühlt hatte und sogar gedacht hab, da würd ich auch hin gehen. Wir konnten mit der Chefärztin noch ein Gespräch führen und diese hat sich über mein Interesse sehr gefreut und breitwilig Auskunft gegeben. Diese sehr sympathische Frau hat ihr Wissen vor 20 Jahren bei einer innermongolischen Ärztin gelernt und so verwendet sie teils auch chinesische Kräuter.

In diesem Krankenhaus behandeln sie vorwiegend mit mongolischer Naturheilkunde. Früher war dies ganz selbstverständlich gewesen, doch während der Sozialistischen Zeit ab 1921 bis 1991 war dies streng verboten und so musste das ganze Wissen im geheimen weiter gegeben werden.
Doch mit dem Wechsel blühte die Naturheilkunde wieder auf und so ist dem Krankenhaus eine grosse Uni angeschlossen. Wo immer möglich werden zur Behandlung mongolische Kräuter verwendet. Daneben gehören auch immer das Schröpfen, Akupunktur und Massagen zu einer Behandlung. Morgens kommt auch jeweils ein Klavierspieler- den auch Musik ist ein wichtiger Behandlungsteil. Nicht erlaubt ist Fernsehen.

Heute ist Tschingis Khan`s Geburtstag- für alle MongolInnen ein Feiertag und Amraa nahm mich mit aufs Land. Wir gingen mit noch einigen Verwandten von ihr zum Manzuschirkloster, und da ich nun schon sehr viele aus ihrer Verwandtschaft kenne, war es wie ein Familienausflug mit meiner mongolischen Familie.
Natürlich war dort viel essen angesagt- ich war sehr froh- hatte ich mir Gemüse eingepackt, den sie hatten Pferdefleisch- vornehmlich Innereien mit dabei und ja……!…..
Pferdefleisch gibt es hier recht häufig, da es das billigste Fleisch ist. So ganz ohne Fett kann ich es in kleinen Mengen essen, doch will ich dabei einfach nicht zu viel denken!

Ich konnte dann alleine noch den Berg hoch und hab es sehr genossen im Wissen, das diese kleine Wanderung die letzte hier in diesem Jahr in der Mongolei ist. Oben war ich ganz alleine für mich, kein Mensch zu sehen oder zu hören- wieder diese Weite um mich rum- einfach traumhaft.
Als ich wieder zur Verwandtschaft stiess, wollte ich sie zum singen bringen, doch waren sie damit sehr zurück haltend. Erst als ich mein mongolisches Lied, dass ich vor 5 Jahren hier lernte anstimmte, liessen sie sich anstecken und dann kam eins am anderen- für mich so berührend und schön, dass es mich fast zu Trännen rührte. Wenn die MongolInnen singen, machen sie dies mit so viel Leidenschaft- etwas vom schönstem um mit zu erleben und dann auch noch draussen in dieser Natur.

Um 6 Uhr machten wir uns auf den Heimweg. Immer wieder kam von einigen die Frage, ob mir der Tag gefallen hat und offenbar wollten sie mir noch einen krönenden Abschied machen- den erst kurz vor unserem Zuhause wurde mir gesagt, dass wir noch eine Stunde zum Karaoke fahren. Dort wurde mir dann das Mikrofon in die Hand gedrückt und ich musste das mongolische Lied über den Herbst singen.
Schon klar, wenn die MongolInnen sagen, dass es eine Stunde zum Karaoke geht, dann ist es mindestens das dreifache. Übel ist bei diesem Karaoke für mich immer wieder der viele Vodka, der da getrunken wird. Nach drei Stunden brachte ich dann Amraa dazu, mit mir per Taxi nach Hause zu fahren.

 

Wandern im Khustai Nationalpark

Erstellt am 3 November 2013
Bei wunderschönem Wetter mit rund 5 Grad war ich heute mit dem Khairkhan Hikingclub wandern. Meine Seele wurde richiggehend gestreichelt und meine Sehnsucht nach der Weite gestillt!
Im Khustai Nationalpark sowie in der Wüste Gobi werden mongolische Wildpferde seit 20 Jahren aus Europäischen Zuchten wieder angesiedelt. Auch aus dem Langenberg im Wildnispark Zürich und aus dem Wildpark Bruderhaus Winterthur reisten viele Tiere nach Osten.

Nie mehr kalte Füsse

Erstellt am 1 November 2013
Nach eurem warmen Sommerwetter in der Schweiz wirds bestimmt auch bald kalt.
Damit ihr nicht an die Füsse friert empfehle ich euch ein paar warme Filzpantoffeln. Diese werden hier in Ulaanbaatar von einer Frau für Bayasgalant hergestellt.  Die Spitze zeigt nach oben- um damit den Boden nicht zu verletzten. Wenn ihr solche bestellen wollt, könnt ihr dies sehr gerne über die Website http://www.bayasgalant.ch/shop/online-shop/ machen.

Halbzeit

Erstellt am 30 October 2013

Am Montag fand die Zeremonie für die verstorbene Nichte statt. Dazu traffen wir uns alle um 6 Uhr in der Wohnung der Familie, von wo wir auf 7 Uhr- genau zum Sonnenaufgang -zum Friedhof ausserhalb der Stadt fuhren.
Für Bewohner in Ulaanbaatar ist es üblich, dass die Toten entweder eine Erd- oder Feuerbestattung haben. Auf dem Lande jedoch ist es noch ganz üblich, dass die Toten zu einem speziellen Ort gebracht werden, wo sie dem Himmel direkt übergeben werden.

Bei der Nichte war es eine Kremation. Dazu kamen wir alle in einen Raum, wo ein Lama als erstes ein Ritual hielt. Danach wurden wir in einen Raum gebeten, wo die Tote aufgebahrt war. Hier nun nahmen alle von ihr Abschied, indem drei Mal der Sarg umrundet wurde. Dies war der Moment von vielen Emotionen, für mich sehr bedrückend- vor allem die zwei Töchter zu sehen, die da das letzte Mal ihre Mutter berühren konnten. Danach wurde sie in einen dahinterliegenden Raum gebracht, wo die Töchter mit ihrem Vater Abschied nahmen und sie dann dem Feuer übergeben wurde. Wir Anwesenden schauten über einen Bildschirm zu.

Weiter ging es dann über verschiedene Orte wo wir Kerzen anzündetet, die Gebetsmühlen drehten um dann nach rund einer Stunde in einen kleinen Tempel zu gehen, wo eine grosse Zeremonie mit dem Lama stattfand. Während des Rituals wurde die Asche hereingebracht und der Familie übergeben. Zum Schluss wurde die Urne dann unter Beisein von allen hinaus getragen und in ein Urnengrab gestellt.

Geweint wurde während des Ritual viel, doch wird auch gesagt, dass es nicht zu viel sein darf, ansonsten hindert das viele Augenwasser die Seele auf ihrer Reise.

Anschliessend an die Bestattung fand für alle Trauernden ein Essen statt, zudem laufend noch Leute kamen, die die Tote gekannt hatten. Hier war es dann ein zusammen kommen von der ganzen Verwandtschaft bei der von Trauer nicht mehr viel zu spüren war. Zum Abschied bekamen alle eine Tasche mit Geschenken. In meiner war Tee, eine Tasse, Räucherstäbchen, Streichhölzer, eine Teelicht- um es Zuhause im Gedenken an die Verstorbene nochmals anzünden zu können.
Nach 49 Tagen werden sich die Angehörigen wieder zum Gedenken treffen und in genau einem Jahr zusammen auf den Friedhof gehen. An diesen Tagen wird den Kindern Süssigkeiten und den Hunden Futter gegeben.

Mich berührte es sehr, dass ich die letzten Tagen so ganz selbstverständlich ein Mitglied der Familie war. Viele waren auch sehr gwundrig wer ich den bin und die Kinder nutzten gerne ihre Englischkenntnisse um mit mir zu reden.

Beim Leidmahl kam ich mit verschiedenen MongolInnen ins Gespräch und war immer wieder erstaunt, deutschsprechende kennen zu lernen. Nach wie vor ist es hier beliebt, nach Deutschland oder Österreich zum Studium zu gehen. Dann gleich in Europa zu bleiben scheint aber für die meisten keine Option zu sein, auch wenn sie wissen dass sie auch mit einem Studium in der Mongolei Mühe haben, einen Job zu finden. Die Kulturen sind wohl zu verschieden und auch die fehlende Familie scheint viele wieder zurück ins Land der Weite und es blauen Himmels zu führen.

Für mich ist es sehr spannend, auf Deutsch so vieles zu erfahren und fragen zu können, was mir mit meinem wenigen englisch nicht möglich wäre. So hat mir heute eine schwangere Frau erzählt, dass sie für die Geburt ins öffentliche Spital geht, den in einer Privatklinik müsste sie für die Geburt rund 500 Franken bezahlen.
Damit sie dann aber im öffentlichen Spital auch gut versorgt wird, gibt sie dem Arzt 100`000 Tugrik (ca. 50 Franken). Damit kann sie sicher sein, dass sie eine gute Pflege bekommen wird. Mittellose Kranke sind da also ziemlich verloren. Bei der Geburt, wird ihr Mann nicht dabei sein- die einen sagen mir aus hygienischen Gründen sei dies verboten, eine andere wieder erzählt mir, dass die Männer oftmals beim Zusehen Ohnmächtg werden und so hat man deren Anwesenheit nun ganz verboten.

Die Tage vergehen hier so schnell und bereits hab ich schon Halbzeit.
Heute war ich in meinem Lieblingsstoffladen und hab mir wunderschöne- leuchtendfarbige Seidenstoffe gekauft. Was daraus entstehen soll, weiss ich noch nicht genau- ich lass mich Zuhause dann davon inspirieren.

Wenn ich so durch die Stadt laufe bin ich immer wieder perplex, wie sich diese seit letztem Jahr verändert hat. Waren zB. letztes Jahr im Handyladen noch sämtliche alten Geräte der letzten 10 Jahre erhältlich gibt’s nun auch hier fast nur noch Smartphones. Auch die internationalen Modeketten scheinen zunehmend hier anzukommen. Mir scheint, dass die Schere zwischen reich und arm nun ganz extrem sichtbar wird. Auf der Strasse sehe ich mehr bettelnde Leute an und jene die Geld haben zeigen dies auf eine sehr unangenehm- protzende Art und Weise.

Der Verkehr nimmt auch immer mehr zu und so braucht man oft sehr lange um nur schon eine kleine Strecke mit dem Auto oder im Bus zurück legen zu können. Oftmals ist man zu Fuss schneller. Velos sieht man hier sehr sehr selten- es scheint mir auf der Strasse viel zu gefährlich zu sein, mit den oft rücksichtslosen Fahrern und dazu den vielen Löchern im Belag.
Um dem Verkehrschaos etwas entgegen zu setzten wurde nun eine neue Regelung gemacht. Jeden Tag kommt es bei der Autonummer auf die letzte Ziffer an. So darf Bogi zB. am Donnerstag mit ihrer 3 am Schluss nie fahren- Pech für mich, dass ich am übernächsten Donnerstag zum Flughafen muss- sie wird mich nicht fahren können und so such ich mir nun eine FahrerIn mit einer anderen Endnummer.

Gestern wars auf der Tagesstätte ja sehr witzig und ich wurde unvermittelt in meine Kindheit zurück versetzt. Eine Schule aus der Schweiz hat Pulte gespendet. Plötzlich standen da also etwa 20 alte Möbel im neu erstellten Haus. An diesen Pulten werden zukünftig mongolische Kinder sitzen und ich hoff, sie werden später mit etwas besseren Erinnerungen daran zurück denken als ich.

Zum Schluss von diesem Eintrag möchte ich euch gerne noch eine aktuellere Statistik (Quelle: www.mongolei.de zum lesen geben.

Statistik August 2013
Danach wurden in den ersten acht Monaten dieses Jahres 53 009 Kinder geboren, 3 570 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
752 Kinder starben vor ihrem ersten, 168 vor ihrem fünften Geburtstag, 21 weniger bzw. vier mehr als im Vorjahr.
Offiziell arbeitslos registriert waren Ende August 37 200 Menschen, 6 000 weniger als Ende August 2012.
61 500 Menschen bezogen Sozialhilfeleistungen, 1 900 mehr. Die aufgewendete Summe erhöhte sich um 12,7 Milliarden Tugrug oder 33,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Landesweit registrierte die Polizei 16 828 Straftaten, 2 313 mehr als 2012.
Die Inflationsrate stieg im Vergleich zum Juli um 1,7 Prozent, im Vergleich  zum Jahresanfang um 6,7 und im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,4 Prozent.
Das Außenhandelsvolumen (Stand 15.09.13) sank um 568,7 Millionen USD auf 7 424,5 Millionen. Auf den Export entfielen 2 880,1 Millionen, das sind 166,5 Millionen oder 5,5 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, auf den Import entfielen 4 544,4 Millionen, ein Rückgang um 402,2 Millionen oder um 8,1 Prozent.
Das Handelsdefizit verringerte sich um 235,7 Millionen oder um 12,4 Prozent auf 1,7 Milliarden USD.
Die Industrieproduktion wuchs um 125 Milliarden Tugrug auf 1 544,5 Milliarden (nach Preisen von 2005).
Mit Stand vom 01. September 2013 waren 17 500 Tonnen Kartoffeln geerntet – 193,2 Tonnen mehr als im Vorjahr.
Die Ernteerträge bei Gemüse sanken um 803,2 auf 14 600 Tonnen, bei Heu auf 222 900 Tonnen, das sind 32,9 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
172 Menschen starben infolge von Naturkatastrophen und Unfällen. Die Viehverluste beliefen sich auf 235 200 Stück.

Alltägliches und Todesfall

Erstellt am 24 October 2013

Montagnacht hat es hier geschneit und so war am Dienstagmorgen früh auf der Strasse ein grosses Chaos. Viele Autos blieben stecken und so konnte ich aus dem Bus heraus wie Fernsehen, zB. ein Fahrer mit seinem kleinen Laster kam auch nicht mehr weiter. So stieg er einfach aus und lud die am Strassenrand liegenden Steine auf, um sein Auto zu beschweren. In der Zwischenzeit gabs mit den anderen Autos ein riesen Chaos und jede noch so kleine Lücke oder Teile die für Fussgänger gedacht sind, wurden zum befahren benutzt.

Das Chies streuen funktioniert hier auch ganz einfach. Auf einem Lastwagen stehen hinten drauf die Männer und Frauen, die mit Schaufeln Chies auf die Strasse streuen. Treffsicherheit und Regelmässigkeit ist dabei nicht so wichtig.

Sehr erstaunt bin ich hier über das neue Gesetz zum Rauchen. Im Umkreis von 500 Meter einer Schule oder Kindergarten darf nicht mehr geraucht werden und kein Laden darf in diesem Umkreis Zigaretten verkaufen. Wenn sie nur auch beim Alkohol trinken und verkaufen so einfallsreich wären!

Witzig ist es für mich ja auch mit meinen grauen Haaren. Damit ziehe ich viel Aufmerksamkeit auf mich, den Menschen mit grauen Haaren gibt es hier sehr wenige da die meisen älteren Leute ihre Haare färben. Unterwegs auf der Strasse finde ich es nicht immer sehr angenehm wenn ich so betrachtet werde. Doch im Bus hat dies einen grossen Vorteil- ich bekomme oft einen Sitzplatz angeboten! 🙂

Eine Frage die auch immer wieder von klein und gross an mich gerichtet ist lautet, ob ich verheiratet bin. Wen ich nein sage kommt die nächste Frage: ob ich Kinder habe. Wenn ich dies auch verneine ernte ich viel Staunen. Das gibt’s doch einfach nicht, eine Frau so alt mit grauen Haaren ohne Mann und Kind! Die ganz mutigen fragen dann: Ja warum denn? Darauf weiss ich dann keine gute Antwort- sage dann immer- ich hab doch hier in der Mongolei bei der Arbeit so viele Kinder und meine Geschwister haben auch ganz viele und ich bin halt eine besondere Frau. Damit ist`s dann nach etwas rumwitzeln- dass sie mir schon einen ledigen Mongolen wüssten, erledigt.

Gestern waren wir zu einem Familienbesuch im Ger-Viertel. Diese Familie habe ich schon letztes Jahr kennengelernt und auch diesmal wieder war ich einfach gerührt, ab der Zufriedenheit, die sie ausstrahlen. Diese Familie mit ihren vier Kinder lebt so einfach und nur mit dem nötigsten. Monatlich bringt Bogi ihnen Kleider oder Lebensmittel. Soviel lachen wie mit dieser Familie zusammen, erlebe ich selten auf unseren Besuchen. Bogi hat mein Empfinden ihnen übersetzt und sie haben darüber einfach gelacht- eine Erklärung dazu gibt es nicht. Da die Mutter der Kinder tagsüber Arbeiten muss- sie hat am Strassenrand einen kleinen Stand mit Getränken und Süssigkeiten und bietet ihr Telefon für Anrufe an- schaut seit einiger Zeit ihre Schwester zu den Kindern, da diese derzeit keine Arbeit hat. Vorher hat dies die älteste Tochter gemacht, die deswegen nicht mehr zur Schule gehen konnte. Dies ist hier sehr üblich- die älteren Kinder übernehmen Zuhause die Betreuung der kleineren Geschwister und verpassen dann aber leider damit ihre Schulbildung. Nun kann die älteste aber noch etwas vom verpassten Schulstoff nachholen.

Gestern Morgen ist die Nichte von Amaraa gestorben die schon längere Zeit an einer Leberkrankheit litt. Die letzten Tage war sie im Krankenhaus und die ganze Zeit blieben die Familienangehörigen bei ihr. So waren auch Amaraa und Baagii oft im Krankenhaus und kamen zwischendurch nur kurz nach Hause um hier Tee zu kochen und Essen zuzubereiten, damit alle im Spital verpflegt werden konnten.
Für die Familienangehörigen ist ein solcher Spitalaufenthalt sehr kostspielig, denn vieles an Medikamenten müssen sie selbst kaufen. So auch die Sondernahrung, die der Frau durch die Infusion verabreicht werden musste, da sie die letzten zwei Tage im Koma lag und so ernährt werden musste. In solchen Situationen spenden dann alle, die irgendwie können Geld, damit das Essen für alle und dann auch für die Beerdigung alles gekauft werden kann. Für arme Familien ist ein Todesfall oft mit grossen finanziellen Belastungen verbunden.

Als die Nichte gestern Morgen dann die Augen für immer schloss, kamen alle Verwandten und Bekannten ins Spital und trauerten zusammen. Heute nun trafen sich wieder alle bei der Familie Zuhause, um Abschied von ihr zu nehmen. Amaraa und Baagii freuten sich sehr als ich auf ihre Frage- ob ich nicht mitkommen wolle ja sagte. Ich bin so nun fast wie ein Familienmitglied mit gegangen. Amaraa meint, es sei wohl Schicksal, dass ich genau jetzt wieder hier bin, denn letztes Jahr ist der Vater dieser Nichte gestorben und ich ging damals mit Baagii zum Essen mit allen Verwandten. Am Montag wird die Kremation stattfinden, wie dies die Familie wünscht. Erdbestattungen sind auch möglich. Dazu bin ich auch wieder eingeladen.

Mitten drin

Erstellt am 22 October 2013

 

Seit 4 Tagen in der Mongolei bin ich schon mitten in der Arbeit und es scheint, als gäbe es nur noch Bayasgalant. Es gibt so viel zu tun und da ich hier als Vertretung der Leitung in der Schweiz wahrgenommen werde, kommen auch viele Fragen und Anliegen zu mir. Ich finde es sehr spannend, hier wieder in diese so ganz andere Kultur einzutauchen und immer wieder zu staunen, wie alles irgendwie funktioniert. Ich komm aus einer Kultur des planens und versuch dies hier auch immer wieder- doch kommts dann meist doch ganz anders. Das fordert mich sehr heraus und ist gleichzeitig auch so wohltuend. Den Tag einfach nehmen und schauen was kommt. Doch dabei, so merke ich, geht dann auch einiges vergessen was mit einer Planung wohl weniger der Fall wäre? Was ist nun besser?

Die ersten vier Tage war es hier mit rund 10 Grad noch recht warm und tagsüber mit der Sonne auch recht angenehm. So war auch die Wanderung mit dem Hikingclub sehr schön- bei blauem Himmel und Schnee unter den Füssen, hab ich das laufen sehr genossen und wieder viele sehr zuvorkommende MongolInnen kennen gelernt. Das Mittagessen ist beim Wandern immer ein Highlight. Da wird meist im Kreis gesessen und alles zusammen geteilt. Meine Schweizerschokolade zum Dessert ist da auch immer sehr willkommen.

Gestern nun ist eine sehr kalte Bise aufgekommen, die mir den ganzen Staub in die Augen weht, sodass ich nun wie die Mongolen mit Schlitzaugen draussen rum lauf (jetzt versteh ich, warum sie so kleine Augen haben)! Mit knapp -10 Grad hab ich heute dann auch das erste mal so richtig gefroren, als ich mit Bogi zu einem Familienbesuch war.
Wir haben eine Frau besucht, deren beiden Kinder auf die Tagesstätte kommen. Sie hat uns um finanzielle Hilfe gebeten, da es ihr gesundheitlich sehr schlecht geht. Mittlerweile kann sie nicht mehr arbeiten und ist den ganzen Tag zuhause. Nun sollte sie, da vermutet wird, dass wie vor zwei Jahren wieder ein Tumor gewachsen ist, ein CT machen lassen, doch kostet dies 380`000 Tugrik was rund 200 Franken sind. Doch dieses Geld hat sie nicht. Und was dann, wenn sie tatsächlich einen Tumor hat? Sie scheint keine Möglichkeit mehr zu haben, irgendwie an Geld zu kommen und so wäre wohl eine Operation gar nicht möglich. Ein schrecklicher Gedanke.

Überhaupt hat diese Familie kein Geld, das einzige was noch rein kommt ist das Kindergeld von 20`000 Tugrik, doch brauchen sie dies für den Strom. So bleibt nichts für Essen, Holz oder Kohle. Von der Tagesstätte können sie nun jeweils für eine Woche Nahrungsmittel mitnehmen.

Es war sehr erschütternd zu sehen, wie diese Familie derzeit lebt. Wasser müssen sie von weiter unten mit Fässern, zu Fuss holen. Kohle gibt es zwar zu kaufen, doch kostet ein Sack, der für einen Tag reicht 3800 Tugrik( 2 Franken) – eine Summe die mich ganz schwindlig werden lässt wenn ich mir überlegen, dass der Durchschnittslohn bei rund 330 Franken liegt. Die kälteste Zeit mit Minustemperaturen dauert von ca. Oktober bis April geht, und so kommt für die Kohle eine hohe Summe zusammen.

Mich beschäftig es sehr, wenn ich da all die Menschen sehe, die so arm sind und nicht mal das überlebenswichtigste haben. Dies sehe und erlebe ich hier täglich und weiss es hundert fach zu schätzen in der Schweiz zu leben. Wir jammern in der Schweiz ja schon auf einem sehr hohen Niveau!

Die Mongolei, so wird prognostiziert ist ein aufstrebendes Land mit seinen ganzen Bodenschätzen, doch wird befürchtet, dass der Reichtum nicht zur Bevölkerung kommen wird, sondern sich einige wenige bereichern. Dies ist jetzt schon ersichtlich, hier in der Innenstadt oder im Stadtkreis Zaysan, wo mit einer immensen Geschwindigkeit Häuser gebaut werden und teure Autos zu sehen sind. Seit meinem letztjährigen Aufenthalt hier sind unzählige Häuser- sehr viele auch mit mehr als 10 Stockwerken gebaut worden. Und diejenigen die Geld haben, protzten damit zB. mit ihren teuren Autos.

Abstrus scheint mir auch das Vorhaben der derzeitigen Regierung, dass alle Menschen, die rund um die Innenstadt in ihren Jurten leben, in neu erstellte Wohnungen ziehen sollen. Doch wie nur sollen diese dann die Miete zahlen können? Einfache Wohnungen, mit schlechter Bausubstanz sind für rund 300`000 Tugrik zu mieten- also grad etwa der Lohn, den ein Durchschnittsverdiener pro Monat bekommt.

So stolpere ich also täglich über viele Ungerechtigkeiten und Alltäglichkeiten, die ich einfach nicht verstehen kann.
Und trotzdem ist da eine grosse Liebe zur Mongolei- diesem weiten Land und diesem einfachen Leben hier, das nicht so eingepfercht ist.

In Ulaanbaatar angekommen

Erstellt am 19 October 2013

Gestern morgen bin ich nach einem guten Flug über Berlin und Moskau in Ulaanbaatar angekommen. Bei der Zwischenlandung habe ich einen Mann aus Schweiz kennengelernt der fürs DEZA in der Mongolei tätig ist. Es war sehr spannend von ihm zu hören was sie in der Mongolei machen um die stark verbreiteten Zoonosen in der anzugehen. Zoonosen sind Krankheiten, die von Tieren auf die Menschen übertragen werden und hier offenbar sehr verbreitet sind. Mehr dazu könnt ihr unter folgendem Link lesen: http://www.swiss-cooperation.admin.ch/mongolia/en/Home/Agriculture_and_Food_Security/Animal_Health_Project

Am Flughafen wurde ich von Bogi abgeholt. Es war ja schon etwas wie nach Hause kommen- haben sich doch alle sehr gefreut mich zu sehen- ich mit meiner europäischen Art hab das wohl um einiges mehr gezeigt als die MongolInnen. Bogi kündigte mir bereits im Auto richtung Stadt an, dass wir am Abend alle zusammen ins Karaoke gehen, da die Köchin Geburtstag hat und auch mein Kommen gefeiert werden muss. Tia!!!

Erst mal brachte mich Bogi in mein alt vertrautes Zuhause zu Bagii um Amraa. Doch mich noch etwas auszuruhen gabs nicht, den bereits um 11h holte mich dann Zaya, die Chefin der Kindertagesstätte ab.

Was für eine grosse Veränderung hat sich da auf der Tagesstätte seit letztem Jahr getan. Es steht nun ein zweistöckiges Haus, durch das mich Zaya mit sichtlichem Stolz führt. War es im alten Haus meist immer kalt kann ich nun die Jacke ausziehen und hab warm! Jedes Klassenzimmer ist nun mit Pulten für die Kinder eingerichtet, was die Arbeit der Lehrerinnen sehr vereinfacht. Vorher waren sie alle zusammen in zwei miteinander verbundenen Zimmern, die gleichzeitig auch als Ess- Spiel und Besprechungsraum dienten. Eine grosse Qualitätssteigerung hat sich auch für Bogi ergeben. Sie kann nun die Gespräch mit den Eltern in ihrem Büro führen, wo niemand anderes mehr zuhört. Damit sind nun auch ganz persönliche Gespräche möglich.

Derzeit kommen nun an die 80 Kinder zur Tagesstätte, bis Ende Jahr sollen es sicherlich 100 sein. Die Kinder leben alle im Gerviertel (=Jurte) der sich als riesiger Gürtel rund um die Innenstadt von Ulaanbaatar zieht. Die Menschen leben da in sehr ärmlichen Verhältnissen. Wasser holen sie täglich an der Wasserstelle und Storm gibt es teilweise auch nicht. Geheizt wird in den Ger`s mit allem möglichen, wer es vermag nutzt Kohle oder Holz. Die ärmeren verwenden alles mögliche was in irgend einer Weise warm geben könnte. So liegt abends über der Stadt wie ein Nebel, der bestialisch stinkt.

Am Nachmittag war ich im Gespräch mit Zaya, in dem sie mir erzählt hat, wie es zur Zeit auf der Tagesstätte läuft und wie sie nun im neuen Haus arbeiten. Was genau ich in den nächsten drei Wochen arbeite, wird sich noch zeigen. Sicherlich werde ich mit Bogi wieder unterwegs auf Familienbesuche sein.

Abends war ich dann durch die Reise und die ausgelassene Nacht durch die Zeitverschiebung sehr müde, doch schlafen war noch längst nicht angesagt, sondern tatsächlich der Besuch in einer Karaokebar. Was ist das nur- dass die MongolInnen dies so lieben? Da wird Stunde um Stunde gesungen und dazu kreuz und quer gegessen und getrunken. Gestern hatte eine Frau auch den mongolischen Vodka dabei- ein Gebräu das für mich fast nicht trinkbar ist. Es handelt sich dabei um Stutenmilch die einen recht hohen Alkoholgehalt hat und für meinen Geschmack scheusslich schmeckt.

Nach vier Stunden war dann endlich Schluss und ich konnte nach Hause, ins Bett fallen und 12 Stunden einfach schlafen! Wunschschön!

Heute habe ich dann einen freien Tag gemacht, um mich erst mal etwas an zu klimatisieren, einzukaufen und einen ersten Besuch im Gandankloster zu machen. Morgen dann geht’s mit dem Hikingclub zum wandern in den Terlij Nationalpark, auf den ich mich sehr freue.

Sain banu Mongolei

Erstellt am 27 August 2013

Heute ist mein Visum von der mongolischen Botschaft in Genf angekommen und damit hab ich nun alles bereit für meine nächste- die vierte Reise in die Mongolei.
Ich freue mich riesig, bei Bagii und Amraa wieder drei Wochen mitten in Ulanbaatar leben zu können.
Ja und dann hoffentlich auch wieder alle altbekannten MongolInnen von Bayasgalant und dem Hikingclub zu treffen.
Auf der Kindertagesstätte hat sich seit meinem letztjährigen arbeiten dort sehr verändert. Mit viel Stolpersteinen ist es dem Team gelungen, dass nun das neue Haus steht und damit rund 100 Kinder auf der Tagesstätte Platz haben. Auf der Homepage von Bayasgalant findet ihr viele Informationen. Auch Angaben dazu, wie ihr die Arbeit dort unterstützen könnt. www.bayasgalant.ch

Ab dem 18. Oktober werdet ihr hier also wieder etwas Einblick in mein Land der Sehnsucht haben können.
Bayartay in UB

Mongolia 2012

Letzter Tag in der Mongolei

Erstellt am 23 Juli 2012

Nun ist er also da- mein letzter Tag in der Mongolei. Mein Herz wird ganz schwer beim Gedanken daran, dass ich morgen um diese Zeit bereits im Flugzeug Richtung Schweiz sitze. Auch wenn ich mich sehr auf Zuhause freue, fällt es mir doch auch sehr schwer, hier zu gehen.
Doch noch hab ich diesen einen Tag und werde diesen natürlich in der Kindertagesstätte verbringen. Ich möchte da gerne noch einiges abschliessen und es dann auch einfach geniessen, da nochmals mitten drin zu sein- einen feinen Sutezai zu trinken und das mongolische Leben zu beobachten.
Mit den beiden Reisen- erst in den Osten und jetzt die letzten Tage auch noch in den Süden in die Wüste Gobi, habe ich nun auch ganz viele Bilder in mir, die ich mit nach Hause nehme.

Wie wird wohl mein Leben Zuhause sein- der grosse Wechsel von hier nach Uster. Alles wird wieder so ganz genormt und organisiert sein und sehr schnell werde wohl auch ich wieder vieles planen. Dabei möchte ich aber ein Bild gerne mit nach Hause nehmen- das ich hier auf der Reise in den Osten erlebt hab. Wir hatten unterwegs im Zelt übernachtet und früh morgens kamen einige MongolInnen zu uns, die da auch in der Nähe die Nacht verbracht hatten und die ein Schaf bei einer Nomadenfamilie gekauft hatten. Es gab bei ihnen jedoch niemand, der dieses schlachten konnte und so fragten sie bei uns nach- ob dies jemand kann. Der Fahrer übernahm die metzgete dann.
Dieses Erlebnis zeigt für mich so schön die mongolische Mentalität. Sie planen nicht schon alles im Voraus, sondern irgendwie wird es dann schon gehen. Es gibt immer eine Lösung.

Damit an euch LeserInnen meines Blogs, einen herzlichen Gruss aus der Mongolei- und wer weiss- wann ich diesen Blog wieder hier aus der Mongolei weiterführen werde.

Ich werde in der nächsten Zeit auf meiner Homepage: www.lisafischer.ch noch einige Bilder hochladen. Wer gerne Postkarten oder für`s 2013 einen Kalender mit Bildern von hier möchte kann sich gerne bei mir melden.

Damit ein herzliches Bayartay an euch, Lisa

Auf Reisen

Erstellt am 12 Juli 2012

Nach 9 Tagen unterwegs im Osten, bin ich nun für eine Nacht hier in Ulan Baatar und geniesse es schon sehr, dass nach dem Leben im Zelt und in der Jurte alles so einfach ist. Es kommt einfach Wasser aus der Leitung- dass ich nicht erst aus dem Fluss holen und filtern muss, sondern einfach so trinken kann.
Die Tage unterwegs waren sehr genüsslich und haben mich nach der Zeit in der Stadt so richtig durch gelüftet. Die ersten fünf Tage gingen wir zu Fuss über rund 100 Kilometer über wunderschöne Steppenwiese unterwegs, voll mit Edelweiss und gelben Lilien, bis wir bei Zurigo und seiner Familie ankamen um da noch vier Tage bei der Familie im Ger zu leben.
Es war schon sehr schön, sie alle wieder zu sehen und diesmal dank unseres Guides, sie auch fragen zu können, wie es ihnen geht. Es scheint sich da wenig verändert zu haben, ausser das alle zwei Jahre älter geworden sind und Zurigo und Tuya nun lediglich noch ihre rund 30 Kühe haben, die sie melken und mit der Milch dann Käse (Arul) und andere weisse Speisen herstellen.
Ihre rund 1000 Ziegen haben sie dem einen Sohn gegeben und die Pferde sind nochmals bei einem anderen Sohn.
So ist ihr Leben etwas gemütlicher geworden. Bischubadsar, der Sohn von Boldro und Uugenbayar, lebt bei den Grosseltern und ist mit seinen drei Jahren ein Junge, der mich immer wieder zum Lachen gebracht hat. War er vor zwei Jahren noch sehr scheu- suchte er nun immer wieder den Kontakt. Gestern Abend beim Ziege schlachten und dann dem traditionellen Kochen in der Milchkanne, in der heisse Steine zwischen die Fleischstücke gelegt werden, war er auch voll mit dabei und half tatkräftig mit. Diese Art zu kochen funktioniert wie ein Dampfkochtopf.

Natürlich erlebte ich auch wieder, wie sie ein Murmeltier gebraten haben. Eigentlich ist es verboten diese zu jagen und es gibt darauf ein Strafe von 70`000 Tugrik (rund 50 Franken). Doch dies scheint niemanden zu kümmern und die Nomaden scheinen sich untereinander zu decken. Denn die Mongolen lieben das Eiweisshaltige Fleisch dieses Tieres über alles. Für mich ist es gar nichts gluschtiges mit seinem vielen Fett und auch mit dem Wissen darum, dass Murmeltiere heute noch als Zwischenwirte des Pest-Erregers hier in der Mongolei vorkommen.

Alle zusammen waren wir vor zwei Tagen in einem rund 60 Kilometer entfernten grösseren Ort zum Nadamfest, dass im Juli überall in der Mongolei stattfindet und ein Nationalfeiertag ist.
Genial, ein solches Nadam zu erleben, wenn es so ländlich ist und es damit ermöglicht, nahe dabei zu sein. Beim Pferderennen haben Mädchen wie Jungs am Rennen teilgenommen, die in etwa zwischen 6 bis 10 Jahre alt sind. Distanzmässig ging es erst mal zum 15 Kilometer entfernten Start in der Steppe draussen und dann mit vollem Tempo zurück zum Ziel. Diese Rennen sind nicht ganz ungefährlich, da es in der Steppe durch die Murmeltiere viele Löcher hat.

An einem Tage waren wir noch im Kloster Baldan Bereewen, in dem einst vor der Zerstörung der Kommunisten gegen 3000 Mönche lebten. Es war das bedeutendste Kloster der Mongolei und wurde nun in den letzten Jahren wieder aufgebaut. Am 15. Juli wird die erneute Einweihung stattfinden. Bereits ist ein Lama im Kloster, dessen Bruder bis zu seiner Ermordung während der Säuberungsaktionen durch die Kommunisten, dort lebte. Er will das Erbe seines Bruders weiter führen.
Diese Politische »Säuberungen« und Verfolgung des Buddhismus und Schamanismus von 1937–1939 ist ein düsteres Kapitel der Mongolei. Unter der Führung Stalins wurden um 1937 und 1938 über 38.000 Mongolen ermordet.
Es ist schön zu sehen, wie nun der Buddhismus und Schamanismus wieder überall sichtbar gelebt wird und viele Klöster wieder aufgebaut wurden und werden.

Nun also geniess ich die eine Nacht in „meinem“ Zimmer um morgen Mittag dann nochmals für 9 Tage Richtung Wüste Gobi- in eine ganz andere Landschaft zu reisen.

Bayartay Mongolia

Erstellt am 29 June 2012

Morgen werde ich den letzten Tag auf der Tagesstätte arbeiten. Es ist für mich noch gar nicht vorstellbar, dass es nun nach den letzten zwei intensiven Monaten, Abschied zu nehmen gilt. Ich möchte noch so viel tun- klären- lösen, so viele Kinder und Erwachsene die ich sehe- bei denen es so viel zu machen gäbe. Doch ich muss nun loslassen und das ist auch gut so. Schön auch zu wissen- das hier ein gutes Team arbeitet.

Ich freue mich, ist morgen auch noch ein spezieller Tag- den einmal im Monat werden all die Kinder gefeiert, die im zu Ende gehenden Monat Geburtstag hatten. Und abends- ja klar- geht’s dann zum Abschied mit dem ganzen Team zum Karaoke singen!

Viel hab ich hier während den letzten zwei Monaten erlebt und gesehen. Viel hab ich hier gelacht und es war mir mit den Menschen sehr wohl. Viele Freundschaften sind entstanden und ich hab durch sie manches gelernt, über die Kultur und Bräuche von hier. Und so langsam riech ich wohl auch schon etwas mongolisch.

Viel hab ich gesungen und noch mehr bin ich dank dem Khairkhan Hiking Club gewandert und kenne nun mittlerweile viele Hügel rund um Ulan Baatar. Massig Yewen (mongol. Guetzli) hab ich gegessen und zu meinem Erstaunen sehr wenig Fleisch. Oft war ich zum Mittagessen in vegetarischen Restaurants- von denen es hier im Fall, etliche gibt.
Sehr gut hab ich hier bei Baagii und Amaraa gewohnt, die hier ein gemütliches Guesthouse im Stadtzentrum führen. Viel hab ich aber hier auch gefroren- es ging vom Frühling zurück in den Winter und dann wieder mitten in den Sommer, ein dauerndes auf und ab und dies alles ohne Heizung, da diese zu einem fixen Datum Stadtweit abgestellt wird.
Vielfach war ich auch einfach verblüfft, wie sich Lösungen finden liessen, wo ich dachte das geht nicht. Doch viel hab ich auch den Kopf geschüttelt ab den verstopften Strassen, den rücksichtslosen AutofahrerInnen, die auch dem Krankenauto oder Feuerwehr keinen Platz machen, der ganzen Bürokratie die unbeschreiblich ist. Viel geärgert hab ich mich auch über den vielen Abfall- all die Plastiksäcke die da durch den Wind überall herumfliegen- oftmals diese Gleichgültigkeit der Natur gegenüber, die verschmutzen Gewässer, das Verbrennen von allem was irgendwie brennt.
Viel und lange hab ich mich ab dem Beamtentum geärgert- die mir einfach nicht ein viermonatiges Visum geben wollten. All die sinnlosen Gänge auf Ämter um da gesagt zu bekommen, das noch Formulare fehlen- oder was weiss ich noch alles.

Mein Blick hat sich in den letzten Monaten sehr verändert. Ich hab auf die Mongolei nicht mehr den verträumten- romantischen Blick, sondern vielmehr weiss ich nun auch um die dunkelsten Schattenseiten, mit Armut, Gewalt, Alkohol und vielem mehr.

Viel war ich hier sehr schockiert über die miserablen Zustände, die ich hier vor allem zusammen mit Bogi bei Familienbesuchen und auf der Sammelstelle für Strassenkinder gesehen und gehört habe. Ich hatte schon erwartet, dort Sachen zu sehen, die ich so noch nie erlebt hab, doch dass da nebst der Armut auch oft noch so grauenvolle Gewalt mit drin ist, auf das war ich in der Intensität nicht vorbereitet. Trotz meinen doch viel recht extremen Arbeitsstellen, die ich in den letzten 20 Jahren hatte, hat`s mich hier manchmal einfach zünftig durch geschüttelt.
Etliche Tage hat es vor allem innerlich in mir geweint und ich war dann jeweils sehr froh darum, auch immer wieder Tage auf der Tagesstätte zu sein. Dort die Kinder zu sehen wie sie lachen, zusammen spielen und dort durch dieses wichtige Angebot, einige Stunden Oase erleben, in der sie einfach Kinder sein können und Sicherheit bekommen. Wo ihnen auch zugehört wird. Einige kamen jetzt vom Schulabschluss mit Auszeichnungen auf die Tagesstätte- sie sind Klassenbeste!
Dass zeigt mir, dass sie es mit der Unterstützung vom Bayasgalantteam schaffen, trotz ihren schwierigsten Familiengeschichten, sich auf die Schule konzentrieren zu können und dass die LehrerInnen auf der Tagesstätte sie gut unterstützen. Damit bekommen sie einen guten Boden für ihre Zukunft, für die ich ihnen von Herzen wünsche, dass sie ihre Träume verwirklichen können und ihren eigenen Weg, raus aus der Aussichtslosigkeit der Armut, schaffen.

Genial war es auch immer wieder um Christine und Martina Unterstützung von der Bayasgalant Geschäftsstelle in der Schweiz zu wissen, mit denen ich viele Stunden per Skype geredet und beraten habe. Ohne sie, hätte ich hier nie einigermassen einen Überblick bekommen. Auch half es mir immer wieder-so innerlich etwa sortieren zu können. Tschin setgeleesee bajarlalaa!

Mit dem Neubau konnte leider noch nicht begonnen werden, da noch ein guter Anteil an Geld dafür fehlt. Ich wünsch den Kindern hier ganz fest- dass es im Juli mit dem Start klappt und ab Herbst 50 weiteren Kindern auf der Tagesstätte ein Platz angeboten werden kann. Auch wenn’s ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein ist- gerade den macht es aus und alle zusammen haben eine grosse Auswirkung.

Die ihr das nun lest- vielleicht war das nun mein letzter Eintrag hier aus Ulan Baatar, den meine nächsten Tage sind nun noch sehr gefüllt. Morgen Abend ist eben Abschied von Bayasgalant und am Sonntag ist vom Hikingclub eine grosse Wanderung von rund 10 Stunden angesagt.
Am Montag wird dann meine Kollegin aus dem Tessin anreisen, mit der ich dann für drei Wochen unterwegs bin. Erst mal geht’s in den Osten, wo wir viel wandern werden und auf was ich mich sehr sehr freue; wir gehen für drei Tage noch zu Zurigoo und seiner Familie. Bei dieser hab ich vor zwei Jahren schon mal 10 Tage verbracht.
Am 12. Juli werden wir eine Nacht hier schlafen und dann geht’s mit Gozo in den Süden bis in die Wüste Gobi. Mit ihm werden wir einen Guide haben, der leidenschaftlicher Fotograf ist und so freue ich mich- dass wir sicherlich die frühen Morgen- und späten Abendstunden zum Fotografieren nutzen werden. Am 22. Juli kommen wir hierher zu Baagii und Amaraa zurück und am 24. Juli werde ich endgültig für dieses Jahr Abschied von der Mongolei nehmen und zurück in die Schweiz fliegen.

Bayartay Mongolia

 

Nochmals 30 Tage Mongolei

Erstellt am 27 June 2012

Ich hab’s geschafft- die Mongolei will mich noch 30 weitere Tage!!!
Freu mich riesig darüber und kann mich nun richtig aufs Reisen ab nächster Woche freuen.

Heute Morgen bin ich, zusammen mit Bogi – die mich begleitet hat, aus der inneren Mongolei zurückgekommen. Dieses Visum abholen war ja schon eine aufwendige, wie auch spannende Sache, bei der ich einige Male sehr nervös war.
Der erste Schreck war beim mongolischen Zoll als Bogi mit den Zöllnern aus dem Zug steigen musste. Ich hatte keine Ahnung warum und konnte die nächste halbe Stunde nur rätseln. Sie kam dann sehr verärgert zurück- die Zöllner hatten behauptet, das ihr Pass falsch ist- resp. ihr Geburtsdatum. Sie sehe doch viel jünger aus. Mit einer Lupe wurde sie dann auf Faceliftings untersucht- doch als sie nichts fanden und auch sämtliche Fotos die sie im Computer von früheren Ausweisen und Anträgen gespeichert durch gecheckt hatten, liessen sie Bogi wieder in den Zug steigen. Komische Sache!

Am Samstag kamen wir in Erlian- dem Grenzort in der Inneren Mongolei an. Beim Einfahren des Zuges ertönte aus den Lautsprechern Marschmusik und draussen auf dem Perron standen Soldaten, die salutierten. Nach langem Warten wurden wir Abteilweise aus dem Zuge gelassen und wurden dort von Polizisten zur Grenzkontrolle begleitet. Bis ich dann endlich den Einreisestempel bekommen habe- Gings rund 2 Stunden- mit einem schrecklichen Eindruck von China.
Doch dieser hat sich dann mit der Fahrt mit unserem innermongolischen Begleiter- den Bogi über ihren Neffen für uns organisiert hat- mitten in die Grenzstadt, sehr verändert. Ich konnte es kaum fassen, dass die Welt da so anders war.
Während unseres 4 tägigen Aufenthaltes hab ich keine einzige Jurte gesehen- obwohl wir doch kaum 30 Kilometer von der mongolischen Grenze entfernt waren. Der Verkehr hat mich auch oft zum Fotografieren verleitet- alle die Elektrovelos und Töff die da unterwegs waren. Diese konnten wir auch als Taxi benutzen. Darüber waren wir vor allem bei unserem grossen Shoppen für die Kindertagesstätte froh. Den mit 50 T-Shirts und sonst so allerlei hätten wir bei den 30 Grad zurück zum Hotel sehr geschwitzt.

Wie hätten wir es nur ohne Shobbi- unserem innermongolischen Begleiter geschafft- innert so kurzer Zeit wieder zurück in die Mongolei zu kommen? Er hat uns während der Tage viel begleitet und uns die Stadt gezeigt- die schon sehr chinesisch ist. Die Menschen sprechen dort alle Chinesisch- viele können aber auch noch Altmongolisch. Da hierher viele Mongolen im grossen Stil zum Einkaufen und meist wiederverkaufen in der Mongolei kommen, sind die Geschäfte meist drei sprachig angeschrieben- chinesisch, altmongolisch und mongolisch.
Am Samstagabend gings mit ihm in den mongolischen Nachtclub- einer topeingerichteten Disco mitten in der Stadt. Erschreckend für mich war, wieviel da an Bier getrunken wurde. Am nächsten Morgen haben wir dann von Shobbi gehört, dass ein Mongole, der auch mit uns in der Disco war- beim Heimfahren mit dem Auto tödlich verunfallt ist.

Am Montag ging es dann aufs mongolische Konsulat- doch der Schreck war bei mir gross als uns gesagt wurde- das seit Donnerstag keine Visas mehr ausgestellt werden konnten, da der Server in Ulan Bataar infolge von Hochwasser ausgestiegen ist. So hiess es warten und hoffen- und oh Wunder, nachmittags konnte ich meine Formulare abgeben und gestern Nachmittag den Pass mit neuem Visa abholen. Doch dann ging noch die Suche nach einem Zugticket los- diese waren alle für die ganze Woche schon ausverkauft- doch Shobbi unser Guide schaffte es, welche über den Schwarzhandel zu besorgen und uns mit dem Mittelsmann über dessen Vertrauensmann bei der Eingangskontrolle durch den Zoll zu bringen.
Wir haben für die Tickets über das Doppelte bezahlt- doch angesichts des eh sehr geringen Preises, war es uns das Wert- hatten wir doch so eine Stunde vor Abfahrt des Zuges unsere Tickets sicher im Sack und es ging mit der 17 stündigen Zugfahrt zurück nach Ulan Bataar.

So bin ich nun also wieder hier und freu mich nur richtig, nächste Woche für 3 Wochen noch unterwegs Richtung Osten und Wüste Gobi, sein zu können.

www.lisafischer.ch

Wahlen vom 28. Juni 2012

Erstellt am 21 June 2012
Derzeit läuft hier die Wahlpropaganda auf Hochtouren. Alle vier Jahre werden diese für die 76 ParlamentarierInnen abgehalten. Insgesamt stellen sich 544 Kandidaten zur Wahl, darunter 179 Frauen. Eine Wahl ist gültig, wenn mindestens 50 Prozent der Wahlberechtigten teilgenommen haben.

So mussten sich nun alle vorgängig registrieren lassen und werden bei der Wahlabgabe einen eingefärbten Finger bekommen- damit keine Wahlfälschung gemacht werden kann. Teils werden offenbar sehr kuriose Druckmittel angewendet um die Menschen zum Wählen zu bringen.

Bei den letzten Wahlen vor 4 Jahren gab es massive Unruhen bei der es auch einige Tote gab, da die Polizei sehr massiv gegen die Demonstranten vorging. Über einige Tage wurde auch eine Ausgangssperre verhängt.
So schaue ich mit etwas Sorge auf die Wahlen am 28. Juni. Ganz ruhig wird es sicherlich nicht abgehen, denn die beiden grossen Parteien bieten sich ein grosses Duell. Unruhe gibt es dabei auch, weil der Ex Präsident wegen Anschuldigung von Korruption im Gefängnis sitzt und ihm nun, wie auch seinem Sohn verboten wird, sich zur Wahl zu stellen.

Überall sind nun beflaggte Autos und Buse unterwegs- die mit lauter Musik auf sich aufmerksam machen. An den Hauptstrassen entlang stehen zu den Hauptverkehrszeiten sehr viele StudentInnen, die Transparente halten, um auf Parteien aufmerksam zu machen. Auch hier im Chingelteidistrict, obwohl wir nicht an der Hauptstrasse wohnen, tauchen sie auf und werben für ihre Politiker.
So auch gestern Abend: Draussen stand ein Bus mit Musikboxen oben drauf, aus der laute Musik ertönte. Zwischendurch wurde etwas gesprochen, doch niemand ging hin. Frage ich meine WohnungsinhaberInnen, winken sie nur ab und finden das Ganze ein grosses Theater für nichts. So erlebe ich dies auch bei allen anderen hier die ich nach den Wahlen fragen- fast niemand hat Interesse daran. Überall hängen Portraits von Politikern- doch alle nerven sich darüber.
Doch wie soll es hier mit so viel Desinteresse überhaupt möglich sein, dass sich am System, das oft korrupt zu sein scheint, etwas ändert?
Doch eine Veränderung, darin sind sich alle einig, ist dringend notwendig, denn die Schere zwischen Arm und Reich ist hier ganz massiv und wird immer grösser.
Dies sehe ich auch mit Besuchen. Ich war schon in sehr gestylten Wohnungen mit allem erdenklichen Komfort drin- wie dies auch in der Schweiz ist. Und daneben in Jurten, die mit dem minimalsten eingerichtet sind, wo die Leute auf dem Boden schlafen, der teils nur gerade mit etwas Plastik und leeren Mehlsäcken abgedeckt ist. Die Leute müssen mit ihren Wasserbehältern zum Wasserhäuschen gehen und neben dem Ger steht ein WC-Bretterverschlag- dass es bei -30 Grad im Winter zu benutzen – furchtbar sein muss. Zum Duschen gehen die Leute in ein öffentliches Duschhaus.

Beim Stöbern hab ich im Internet noch etwas Statistik gefunden:
Am 11. Juni veröffentlichte das Nationale Amt für Statistik die Zahlen für den Monat Mai.
Die registrierte Arbeitslosigkeit stieg um 15 Prozent, das bedeutet: 58 200 Menschen waren im Mai ohne Arbeitsplatz.
Die Inflationsrate stieg gegenüber dem Vormonat um 1 Prozent, gegenüber dem Jahresanfang um 9,2 Prozent und gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 15,4 Prozent.
Dies sind die offiziellen Zahlen- es muss aber von einer viel höheren Zahl ausgegangen werden.

Hier noch ein spannender Artikel zur Wahl: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/wahlen-in-der-mongolei-der-nomade-faehrt-auto-11800034.html

2 Monate Mongolei

Erstellt am 19 June 2012
Jetzt bin ich dann zwei Monate hier in der Mongolei und ich merke wie ich hier schon sehr Zuhause bin und mich sehr selbstverständlich bewege. Es ist nicht mehr ein so vorsichtiges gehen, und verwirrt sein von dieser anfangs sehr chaotisch wirkenden Stadt. Vielmehr getraue ich mich auch in Gebäude rein zu gehen und mit den vielen Türen einfach auszuprobieren, welch nun die richtige ist. Dies ist manchmal nicht ganz einfach, denn nach wie vor habe ich die kyrillische Sprache nicht gelernt- einzig einige Buchstaben kenne ich nun.
Was einfach immer wieder etwas fremd ist, ist das Vordrängen der Leute. Vortritt lassen kennt man hier nicht- alle wollen gleichzeitig rein und raus. So geht das auch an der Bushaltestelle- wo alle gleichzeitig ein- und aussteigen- was bin ich froh, da noch so sicher auf den Beinen zu stehen und eine gute Postur zu haben. Dies bietet mir schon einige Vorteile.
Letzten Freitag habe ich meine Haare schneiden lassen um damit den Sommer, der nun hoffentlich kommt und sich die letzten Tage mit rund 30 Grad auch gezeigt hat, zu begrüssen. Beim Eintreten wurde mir gesagt, dass mein Haarschnitt 7000 Tugrik kostet- beim Rausgehen hat sich der Betrag dann auf sonderliche Weise auf 10`000 erhöht. Der Haarschnitt ist gut rausgekommen und so hab ich diesen Europäerinnenaufschlag akzeptiert- denn ich hab da für rund 7 Franken einen guten Schnitt bekommen.

Mir ist es sehr wohl und manchmal denke ich, ich hab die mongolische Art schon etwas angenommen. Ich steh morgens auf, schaue was der Tag bringt und bleibe bei allem ziemlich gelassen. Für alles gibt es doch eine Lösung- irgendwie. Geplant wird wenig, denn meist kommt es eh anders.
Ihr müsstet auf der Tagesstätte mal eine Teamsitzung erleben. Diese findet jeweils im Küchenger statt. Dort setzen sich alle irgendwo hin und dann wir lang und ausführlich geredet und viel gelacht. Die Köchinnen sind daneben mit Mittagessen kochen beschäftigt, Kinder schauen rein, die Lehrerinnen gehen ein und aus. Kein streng strukturierter Ablauf- von dann bis dann ist Sitzungen mit geregelter Pause. Es geht einfach so lange wie es nötig ist. Zurück in der Schweiz werde ich wohl innerlich dann oft lachen müssen ab der strengen Planung.

Was ich ja auch sehr liebe ist diese selbstverständliche Nähe- Berührungen sind ganz selbstverständlich, plötzlich massiert mir vielleicht jemand die Schulter, zupft da und dort ein Haar vom Pulli oder lehnt sich an mich an.

Ach, die Vorstellung, dass meine Zeit hier so begrenzt ist, lässt mein Herz schon schwer werden- es wird ein schwerer Abschied sein. Abschied von all den Menschen zu nehmen, die mir hier in den letzten zwei Monaten so lieb geworden sind.
Doch gleichzeitig ist da auch immer wieder die Gewissheit, dass ich hier nicht für immer leben könnte. Zu verschieden ist die Lebensweise. Die Luft hier in der Stadt ist meist immer sehr stickig durch die ganzen Abgase, stinkendem Rauch durch was weiss ich, was da alles verbrannt wird und der aufgewirbelte Staub. Was ich auch sehr vermisse ist frisches Gemüse- das nicht irgendwoher aus China kommt und dazu frisches Obst!!! Oder wenn es so heiss ist, einfach in den See baden gehen, mit dem Velo durchs Oberland düsen…….. so vieles auf das ich mich sehr freue.

Vorausgesetzt es klappt mit dem neuen Visum- bleiben mir nun ja doch noch 5 Wochen die ich hier geniessen kann und die koste ich voll aus. Das chinesische Visum hab ich auf jeden Fall schon mal gestern bekommen.

Visa Marathon

Erstellt am 14 June 2012

Diese doofe Visageschichte ist ja schon kaum zu glauben und gibt eine ganze Geschichte die ich euch gerne erzähle. Es ist kaum zu fassen, wie viele Stunden ich nun schon dafür verwendet habe um ein chinesisches Visum beantragen zu können. Es braucht dazu eine Menge an Papieren. Als erstes eine Einladung aus China, zu dem ich dank einem Kontakt aus der Hikingclub gekommen bin. So bin ich nun nach Peking eingeladen, mir dort die Chinesische Railway anzusehen. Leider musste das ganze schnell gehen und so wurde mir diese per Mail zu gestellt. Mit diesem Schreiben, einem 8 seitigen Visaantrag, dem Zugbillett und meinem Pass hab ich mich dann in der chinesischen Botschaft in der langen Reihe angestellt um dann am Schalter gesagt zu bekommen, das diese Maileinladung nicht geht. So musste ich nun also noch um die Kopie des Personalausweises meines Einladers bitten, zudem noch eine Hotelbuchung in China organisieren. Weiter braucht es den Nachweis für meine internationale Krankenversicherung und ich muss eventuell noch einen aktuellen Bankauszug haben.
Mit all dem werde ich morgen Freitag erneut in der Reihe stehen und bis ich dieses verflixte Visum in der Hand hab, wohl noch etwas zittern.

Schaff ich das dann und reise am 22. mit der transsibirischen in die innere Mongolei werde ich zu 50% glücklich sein. Den da steht mir dann nach dem Wochenende der nächste Gang zum Amt- diesmal zur mongolischen Botschaft bevor. Da muss ich es schaffen, ein nochmaliges Visum für 30 Tage zu bekommen. Dafür habe ich hier nun eine persönliche Einladung- natürlich mit dem ganz offiziellen Stempel des Migrationsamtes in Ulanbaatar und der Reiseeinladung von der Tour mit Gozo mit dabei und kann einfach nur hoffen, dass sie mich wieder ins Land lassen.
Zu dieser persönlichen Einladung zu kommen war ja wieder Mongolia live. Also- ich hab eine Frau gefunden, die mindestens 700`000 Tugrik auf dem Bankkonto hat. Diesen Auszug musste sie von der Bank holen- zusammen gingen wir dann zur Immigration Behörde Mongolia wo wir natürlich wieder ein Formular ausfüllen mussten. Nun war es leider so, dass diese Frau vor gut einer Woche ihren Personalausweis verloren hatte und somit einfach ihren Pass mitgenommen hatte. Dies wollte die Behörde aber nicht akzeptieren. Ich war fassungslos- konnte es nicht glauben.
So ging`s also los mit der Suche, wer sonst könnte mich einladen. Bogi wurde dann bei ihrer Schwester fündig und diese kam rund 1 ½ Stunden später auf dieser Behörde an, wo wir es noch ganz knapp vor der Mittagspause schafften- das Formular mit allen Stempeln, Fotos und Bankeinzahlung abzugeben. Heute Abend bekam ich dann das definitive Formular. Das wäre also mal geschafft.

Ich hab vorhin gezählt-mich haben doch unterdessen tatsächlich 7 Personen in dieser Visageschichte unterstützt, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Nun muss das doch einfach klappen.

Also liebe Leute- die ihr das lest- drückt mir die Daumen, damit ich euch ab 26. Juni weiter erzählen kann- aus meinem Leben hier in der Mongolei und nicht aus der Schweiz.

Adieu Mongolia

Erstellt am 11 June 2012

Gestern machten wir wieder eine wunderschöne Tour mit dem Hikingclub. Es ging von der Stadtgrenze, bei Zaisan los, den Berg hoch. Mit rund 6 Stunden laufen war’s eher eine gemütliche Tour.
Wir haben derzeit oft Regen mit Temperaturen so zwischen 12 bis 18 Grad. Es wird hier endlich auch ganz grün und die Blumen und Bäume spriessen. So erinnert es mich jetzt schon etwas an die Schweiz, denn die Blumen sind zum grössten Teil die gleichen.

Die letzte Woche war geprägt von viel Rumfragen und hoffen, dass es doch noch gelingt, ein weiteres 2 monatiges Visum für die Mongolei zu bekommen. Auf der mongolischen Botschaft in Genf war mir ja im Frühling mal gesagt worden, dass es kein Problem ist, vier Monate hier zu sein- doch hier ist dem gar nicht der Fall.
Mugi, die Frau von Gozo- mit dem ich die Reise geplant hab, hat ganz viel versucht- die Hoffnung war, dass ihre Tante die beim Migrationsamt arbeitet, dies hinbekommt. Doch das hat leider nicht geklappt. Die Empfehlung war dann, das ich rund einen Monat illegal- ohne Visum in der Mongolei bleibe- mir von einem Arzt ein Zeugnis ausstellen lasse, dass ich einen Schlag auf den Kopf bekommen hab und deshalb nicht termingerecht ausreisen konnte. Bei der Ausreise nach China hätte ich dann eine Strafe von rund 500 Dollar bekommen sowie ein Vermerk im Pass. In China hätte ich dann nochmals einen Antrag stellen können für ein 1 monatiges Visum.
Tia- vielleicht hätte das so geklappt, doch meine Angst, dass ich dann nie mehr ein solches für die Mongolei bekomme ist zu gross. So hab ich nun die einzige legale Möglichkeit gewählt und werde am 22. Juni nach Erlian in der Inneren Mongolei (China) ausreisen- dort ein neues Visum für einen Monat für die Mongole holen und so kann ich dann noch bis zum 24. Juli hier bleiben.

Claudia, eine Tessinerin mit der ich doch ab 15. Juli für 4 Wochen noch reisen wollte, hat das ganze sehr ruhig aufgenommen- da bin ich ja soooo froh darüber. Sie wird nun heute ihren Flug vorverschieben und kommt dann bereits am 2. Juli hier an. Statt wandern im Altaigebirge werden wir nun eine andere Reise machen.
Somit bin ich einerseits sehr traurig, muss ich schon früher dieses Land verlassen doch gleichzeitig auch ganz beruhigt, geht die ganze Schieberei so locker und unkompliziert. Ja und dann ist`s ja schon auch so, dass ich mich ganz fest auf Josephine freue. Und…. was ich mir auch schon bildlich vorstelle ist- vor einem grossen Teller mit frischem Salat zu sitzen- eine wunderschöne Vorstellung.

Mir bleiben damit hier nun noch 6 volle Wochen, doch noch eine lange Zeit in der ich noch viel machen und kann und darüber freue ich mich sehr.

Monsterwanderung mit anschliessendem Karaoke

Erstellt am 5 June 2012

Vorgestern war wieder wandern angesagt. Dieses Mal ging die Tour vom Manzuschir-Kloster zurück nach Ulan Baatar. Nach kalten Tagen in der Stadt- sowie einem verregneten Samstag, war es vorgestern dann mit rund 20 Grad recht schönes Wetter. Wir waren nur rund 20 Personen, da 16 Personen aus dem Club, derzeit Richtung Westen in den Altai unterwegs sind, wo sie während 3 Wochen wandern.

Gestartet sind wir dann beim Kloster Manzuschir, auf rund 1400 Meter und von da ging es ca. 1100 Meter hoch zu einem wunderschön gelegenen Platz mit einem grossen Ovoo (heiliger Platz). Bereits nach kurzer Zeit trafen wir unerwartet eine verschneite Landschaft an und wanderten so auf einem recht matschigen Weg. Auf der Höhe hatten wir immer wieder traumhaft schöne Ausblicke gegen Süden über die Steppe und im Norden die Stadt.
Ich geniess dieses unterwegs sein mit dieser mongolischen Gruppe immer wieder. Da ist so eine Fröhlichkeit und Lockerheit und jetzt nach 6 Wochen bin ich auch ganz mit dabei und werde auch als Mitglied angesehen. Essen tun wir immer in der Runde- und es ist ganz selbstverständlich das ich mit meinem Löffel oder Gabel auch in andere Töpfe greif. So hab ich jeweils nicht „nur“ mein Sandwich, sondern esse dazu etwas Buuz (Teigtaschen) oder was auch immer grad die anderen haben.

Auf unserer Wanderung legten wir rund 20 Kilometer zurück. Das Gelände war erst durch den Schnee, dann auch mit den vielen Geröllhalden und auch sehr grossen Steinen sehr anspruchsvoll und bereits nach rund 6 Stunden verletzten sich zwei Mongolinnen am Fuss, wodurch wir dann nur noch langsam vorwärts kamen. Nachts um halb elf, nachdem die Sonne sich mit einem traumhaften Abendrot verabschiedet und der fast fertige Vollmond uns noch auf dem Berg begrüsst hatte, kamen wir dann im Dunkeln nach 12 Stunden Wanderung am Stadtrand von Ulan Baatar- wohl alle sehr erschöpft, an.

Der Tag war damit aber noch nicht fertig, hatten wir doch von Bogi noch eine Geburtstagseinladung. Für sie war es kein Problem, dass wir erst um 23 Uhr- sehr müde, etwas verdreckt und in Wanderschuhen in der Disco und Karaoke Bar eintrafen. Sie waren eher belustigt darüber – ich fühlte mich sowas wie ein Elefant- den versucht mal in Wanderschuhen zu tanzen- das sieht wohl schon sehr urchig aus. Daneben dann die schicken Mongolinnen, die sich für die Feier richtig schön gemacht hatten. Doch so ging die Feier dann los- gegen zwölf mit Torte essen und viel singen und natürlich mit Vodka und tanzen in der Disco- fast für uns alleine. Dem Karaoke gegenüber hatte ich ja sehr Vorbehalte gehabt- doch es machte mir dann richtig Spass- wohl einfach auch sehr angesteckt durch die MitarbeiterInnen der Tagesstätte, die da Inbrünstig ihre mongolischen Lieder sangen. Um zwei war dann Schluss und das Taxi brachte uns übermüdeten nach Hause.

Gestern Morgen hatten wir drei Schweizerinnen dann Anlaufschwierigkeiten, hatten wir doch zum einen zu wenig geschlafen und zum andern waren unser Oberschenkel durch die Wanderstrapazen mit Muskelkater sehr steif. Wie wir dann alle gearbeitet haben, könnt ihr euch sicher gut vorstellen.

So habe ich für diese Arbeitswoche wieder einen ganz vollen Tank und freue mich auf das was kommt. Was, ist immer sehr ungewiss; was heute nicht ist, kommt vielleicht morgen- ich werde es euch sehen und wissen lassen.
Danke euch, für eure Feedbacks auf meine Geschreibe hier-ich freue mich sehr darüber.
Ich hoffe, euch mit diesem Blog die Schönheiten dieses Landes auch mit seinen ganzen Schattenseiten näher bringen zu können. Danke euch auch für euer gedankliches Mit leben.

Aus meinem mongolischen Alltag

Erstellt am 1 June 2012

Heute ist hier Feiertag, da wir den nationalen Kindertag haben. Auf der Kindertagesstätte haben wir dies bereits gestern mit rund 70 Kindern ausgiebig gefeiert. Der ganze Tag war gefüllt mit viel spielen, lachen, essen, und Vorführungen. So kamen auch circa 10 Kinder von einer Zirkusschule und haben uns ihre Künste vorgeführt. Wir haben alle sehr gestaunt ab der Beweglichkeit dieser Kinder- die scheinen einfach keine Knochen zu haben oder wenn dann solche aus Gummi.
Nach der Zirkusvorführung trugen dann einige Kinder ihre Lieder ganz selbstbewusst vor, was von uns ZuschauerInnen mit viel klatschen begleitet wurde. Indra trug dann auch, ihr von Rebekka beigebrachtes- Det äne am Bergli vor. Witzig, sie da so mit mongolischem Akzent, Berndeutsch singend zu hören.

Wir sind auf der Tagesstätte nur vier EuropäerInnen. Nebst einem Engländer, der für den Neubau zuständig ist, arbeiten hier nun auch noch zwei Schweizer Praktikantinnen mit den Kindern. Sie werden diesen ab nächster Woche Englischunterricht geben und mit ihnen auch kreativ sein.

Nach der letztwöchig emotional sehr anstrengenden Woche habe ich mich wieder erholt. Klar, auch hier im Alltag erlebe und höre ich viel bittere und erschreckende Armut und Gewalt. Doch die Tage die ich jeweils auf der Kindertagesstätte verbringe, geniesse ich dann sehr. Die Kinder und die Angestellten sind so offen und es gibt zusammen viel zu lachen. Ich versuch das eine oder andere mongolische Wort von ihnen zu lernen, ohne mir dabei die Zunge zu verdrehen. Ganz ganz langsam geht’s voran.

Eindrücklich ist für mich immer wieder, wie selbstverständlich die Kinder aufeinander schauen. Es ist ganz normal dass die grösseren beim Essen für die kleineren schauen und wenn wohl manche auch sehr hungrig sind, gibt’s bei der Essensverteilung keinen Stress. Alle sitzen ruhig am Tisch bis sie einen vollen Teller vor sich habe, dann wird en Guete gewünscht und der Köchin gedankt und erst dann essen sie. So ein Verhalten in der Schweiz gibt’s einfach nicht. Ich staune immer wieder darüber.

Der Hausbau, der schon länger in Planung ist geht leider nicht voran, da es noch viel Vorarbeit braucht und auch die Finanzierung erst geklärt sein muss.
Mit diesem neuen Haus können dann zukünftig noch weitere 50 Kinder (im Kindergartenalter) aufgenommen werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass teils die älteren Kinder nicht zu uns kommen dürfen, da sie wegen den kleineren zuhause bleiben müssen, da die Eltern arbeiten oder sonst wie nicht da sind. So wird es mit diesem zusätzlichen Haus möglich sein, rund 100 Kinder ab ca. 4 bis gegen 16 Jahre aufzunehmen.

Es erfordert für die Planung des Hausbaus viel Geduld und Durchhaltewillen, bis es dann mit dem Bau losgehen kann und so nehmen wir es hier vor zu- wann der Start ist. Während den ersten zwei Wochen, wenn dann die grossen Baumaschinen auf dem Grundstück sind, werden wir mit vielen Kindern aufs Land gehen, eine Köchin wird wohl auf der Tagesstätte bleiben, um für die kleineren Kinder Zuhause zu kochen.

Mir liegt dieses Bayasgalant sehr am Herzen und wird mich wohl auch nicht mehr loslassen.
Doch klar, damit dieses Kinderhilfe auch in Zukunft bestehen kann braucht es Geld. Und so möchte ich euch sehr ermuntern zu Spenden. Die Kinderhilfe Mongolei, Bayasgalant wird ausschliesslich durch Spendengelder betrieben und bekommt hier vom mongolischen Staat nichts an Gelder.
Ihr unterstützt hier wirklich ein ganz gutes Projekt (sonst wär ich ja auch nicht hier 🙂

Sozial-Amt-Staat

Erstellt am 30 May 2012

So was ver- rücktes hab ich ja noch nie gehört. Hier in der Mongolei hat bis anhin jede Person ob Kind oder Erwachsene, monatlich 21`000 Tugrik, also rund 14 Franken bekommen. Dies war unabhängig vom Einkommen. Das heisst, diesen Betrag bekamen die Arbeitslosen wie auch Topmanager. Nicht schlecht oder- die Mongolei ist ein einziger Sozialstaat.
Nun, ab den 1. Juni gibt’s eine neue Bestimmung, das alle 1 Million (ca. 710 Franken) bekommen. Dies dann aber vermutlich nur einmalig. Einige vermuten, dass es sich hier um Wahlpropaganda handelt- den in einem Monat finden die Wahlen statt.
Ich vermute mal, dass dies hier in der Stadt sehr spürbar sein wird, wenn da alle Leute plötzlich aufs Mal so viel Geld bekommen und befürchte, dass es um ein vielfaches mehr an Betrunkenen draussen geben wird.
Damit umgehen, werden wohl viele nicht können. Dies ist so viel Geld, wie sonst nur sehr gut verdienende monatlich bekommen.
Eine Frau, deren Kinder in die Tagesstätte kommen hat erzählt, das sie monatlich als Hilfsarbeiterin auf dem Bau rund 600`000 Tugrik verdient. Doch der Preis dafür ist für sie sehr hart- sie arbeitet 7 Tage die Woche mit 12 Stunden täglich. Doch damit bringt sie ihre Familie über die Runde und damit wird sie sich auch nicht gegen diese unmenschlichen Bedingungen wehren den sonst riskiert sie die Stelle zu verlieren und wird es schwer haben wieder so was gut bezahltes zu finden.
Laut Arbeitsgesetz wäre dies nicht erlaubt, doch Kontrollen gibt’s wenig und wenn dann sind die Beamten bestechlich.
Gestern hab ich auch eine Baustelle gesehen, wo die Arbeiter von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und dies 7 Tage in der Woche arbeiten. Wohnen tun sie gleich auf dem Baugelände in einfachen Bretter – Behausungen oder in einem Ger. Alkohol trinken ist streng verboten, denn damit wären sie nicht mehr so leistungsfähig. Billige Arbeitskräfte kommen meist aus China oder Nordkorea.

Zedernnüsse

Erstellt am 28 Mai 2012

Hier in der Stadt können an fast jeder Strasse Zedernnüsse gekauft werden. Diese werden von den Familien in den umliegenden Wäldern gesammelt und dann hier verkauft. Überall sieht man hier die Leute am Nüsse knacken und die Schalen sind dann überall verteilt. Ich hab mittlerweile diese Nüsse auch entdeckt und so suche ich mir auf den Wanderungen immer welche zusammen, die ich dann genüsslich beim Laufen esse.

Pflanze
Die Zeder- oder Zirbelnüsse sind die Samen der Sibirischen Zirbelkiefer (Pinus sibirica), die in der Taiga beheimatet ist. Zirbelkiefern blühen ca. ab dem 40. Lebensjahr und tragen nur alle 2 – 4 Jahre reichlich Zapfen. Die Sibirische Zirbelkiefer kann ein Lebensalter von 500 – 700 Jahren erreichen. Die „Königin der Taiga“ wird von den Ureinwohnern der Taiga bereits seit Jahrhunderten verehrt: Sie gilt als heilig, Schamanen verehren sie als Lebensbaum. Die sibirische Zirbelkiefer (Pinus cembra ssp. sibirica) ist ein frostharter Baumriese. Sie kann bis zu 1.000 Jahre alt werden und verträgt Temperaturen bis minus 50°C

Aroma
Geschmacklich ähneln sie stark den besser bekannten Pinienkernen. Zeder Nüsse schmecken außerdem dezent harzig mit einem leicht süßlichen Abgang.

Inhaltsstoffe
Zeder Nüsse haben einen Fettgehalt von 50 – 65%, davon sind ca. mindestens 70% mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Zudem zeichnet sie ein hoher Anteil an Mineralien und Vitaminen aus.

Verwendung
Für Mongolen und Sibirier ist die Zeder Nuss seit Jahrhunderten ein wichtiger Lieferant für gesunde Fette. Die Zedernnüsse enthalten viele einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, unter anderem die essentielle Linolsäure. In der Küche kann er wie ein Pinienkern aus dem Mittelmeerraum verwendet werden

Zum Brüelle

Erstellt am 24 May 2012

Nach über vier Wochen hier arbeiten hab ich wohl gefühlsmässig meinen tiefsten Punkt erreicht und ich könnte einfach nur heulen. Die letzten Tagen habe ich in einer hohen Konzentration die absoluten Schattenseiten der Mongolei kennen gelernt und fühle mich so ohnmächtig.

Montag / Dienstag waren wir im Hentii Aimak- etwa 300 Kilometer von Ulan Baatar entfernt zu Besuch bei einer Familie, von der ein Mädchen früher mal in der Vorgängereinrichtung von Bayasgalant gewohnt hat. Leider musst das Heim geschlossen werden und das Mädchen Enhmaa kam bei ihrer Tante in Ulan Baatar unter.

Am Montag dann kauften wir morgens erst mal hier in der Stadt Lebensmittel und Kleider ein und brauchten dann gegen 6 Stunden bis wir gegen Abend im Osten ankamen. Die Familie lebt in einem Ger ausserhalb des Dorfzentrums. Sie arbeiten für einen Besitzer, deren Schafe sie hüten. Dafür bekommen sie von diesem nicht etwa einen Lohn, sondern einfach Fleisch und ab und zu etwas Lebensmittel. Die Eltern können weder lesen noch schreiben und so ist es für die Besitzer ein leichtes, sie auch übers Ohr zu hauen. Bogi hat schon mehrmals interveniert, dass sie sich mit Geld entlöhnen lassen doch bis anhin ohne Erfolg. Bei ihrem letzten Besuch hatte der Besitzer auch behauptet, dass die Familie 500 Schafe verloren hat und diese nun bezahlen muss. Doch wie soll das ohne Geld gehen. Auch ist es absolut unmöglich, das so eine grosse Anzahl an Tieren weg kommt- im Dorf hatte auch niemand davon gehört und so ist offensichtlich, dass die Besitzer leugnen und sich damit erhoffen, ihre billigen Arbeitskräfte an sich binden zu können. Als Bogi sich da einmischte wurde sie aufs übelste beschimpft und bedroht.

Als wir nun da ankamen waren alle (die Eltern und drei Kinder), ausser der ältesten Tochter Zuhause und Enhmaa die Tochter machte uns gleich einen Tee.
Bogi hatte mir auf der Fahrt schon vieles über diese Familie erzählt, doch diese dann zu sehen war schon sehr erschreckend. Zum einen mal, sahen wir nichts an Lebensmittel- ausser einem Brot. Hat eine Familie keinen Kühlschrank so ist es normal, dass im Ger an einer Leine Trockenfleisch hängt- doch auch das war da nicht der Fall. Ebenso schauten wir uns vergebens nach Wasser um- keine Zahnbürste – nichts! Alles machte einen sehr ärmlichen und schmutzigen Eindruck, was ich ja noch so hinnehmen konnte.

Doch absolut geschockt hat mich dann, als ich die kleinste (1 ½ jährig) sah- die Tochter von Enhmaa- entstanden aus einer der unzähligen Vergewaltigungen, die diese 19 jährige schon erlebt hat. Das irre daran ist, das Enhmaa früher noch bei ihrer Tante in Ulan Baatar gelebt hatte, doch da es ihr da nicht gut ging und sie offenbar da von etlichen Männer vergewaltigt wurde, brachte Bogi sie zu ihrer Mutter aufs Land in der Annahme dass die Mutter sich freut ihre Tochter wieder bei sich zu haben und das sie dort geschützt ist. Doch die Mutter zeigte dazumal keinerlei Freude über ihr Heimkommen und die ganze Gewalt geht nun auch da weiter.
Nach der Vergewaltigung aus welcher ihre Tochter entstanden ist, war Bogi mit Enhmaa auf dem Polizeiposten doch eine Anzeige zu machen ging nicht, da Enhmaa bei der Polizei schwieg und nichts sagen wollte. So machten sie keine Anzeige, den damit wäre Enhmaa mit ihrem Schweigen das Risiko eingegangen wegen Verleumdung angeklagt zu werden. Einzig Bogi hat sie sich anvertraut und ihr den Namen eines Nachbars als Täter angegeben. Ich habe aber nach unserem Besuch bei der Familie schwer den Eindruck, dass der Vater sie vergewaltigt hat.
Der ganze Irrsinn passiert auch bei Enhmaas älterer Schwester, die auch vergewaltigt wurde. Ihr Kind starb dann aus unbekannten Gründen, als es zwei Monate alt war. Derzeit lebt sie nun mit ihrem Freund zusammen und ich weiss nicht wie es ihr da geht.

Wäre ich in der Schweiz, würde ich alle Hebel in Bewegung setzten, um diese jungen Frau vor weiterer Gewalt zu schützen, doch hier gibt’s einfach keine Möglichkeiten ausser einem Frauenhaus in Ulan Baatar und da wäre sie am falschen Ort. Ok da bliebe noch der Gang zu einer Therapeutin- doch eine solche wie in der Schweiz gibt es hier nicht. So bleibt „nur“ das Bogi immer wieder auf Besuch geht und so der jungen Frau vielleicht etwas Halt geben kann. Und ich – ich bitte alle guten Geister, sie vor weiterer Gewalt zu bewahren.

Bei meiner Arbeit hier erlebe ich immer wieder: Vergewaltigungen sind hier alltäglich. Keine Frau ist davor sicher, es scheint ganz normal zu sein, so oft hab ich hier bei der Arbeit schon so scheussliche Geschichten gehört. Ein Ger lässt sich auch nicht abschliessen und so sind die Mädchen und Frauen dieser Gefahr immer ausgesetzt. Mit diesem Wissen wird mir doch einfach übel und ich fühle mich so ohnmächtig.

Gestern dann war nochmals so ein schrecklicher Tag. Wir besuchten Uugenbayar wieder im Kinderheim in dem um die 50 Waisen leben. Das ganze kommt mir wie ein Jugendknast vor in dem die Kinder eingeschlossen sind. Jeder Raum ist mit Video überwacht und die Kinder haben so ziemlich nichts an Spielsachen. In einem Zimmer leben an die 8 Kinder. Stellt euch einfach einen kahlen Raum vor in dem Kajhüttenbetten stehen auf die diese Kameras gerichtet sind. Für ihre wenigen Habseligkeiten haben sie kleine Schränke- das genügt – den viele Kleider haben sie eh nicht.
Die Angestellten sind in der Mehrzahl PolizistInnen. Es gibt da einen Sozialarbeiter doch der scheint mir nicht gerade sehr motiviert zu sein. Kaum beginnen wir mit ihm ein Gespräch, fragt er ob wir nun fertig sind. Gestern lernten wir eine Frau kennen, die offenbar die Therapeutin ist. Ich wollte dann wissen wie sie genau arbeitet und staunte dann sehr ab ihrer Antwort. Sie bringt den Kindern Hygiene und dergleichen bei. Also absolut nichts an Einzeltherapie in der die Kinder ihre schrecklichen Erlebnisse als Waisen und Strassenkinder aufarbeiten können.
Uugenbayar hatte gestern am Kopf einige blauen Flecken und begründete diese damit, dass er nachts aus dem Bett gefallen ist. Ich bezweifle dies sehr, vielmehr vermute ich dass er entweder von den sogenannten ErzieherInnen oder von Kindern geschlagen wurde. Dies scheint, wie mir Bogi erzählt, hier immer wieder vorzukommen.

Ich weiss nun also wo unter anderem die späteren Alkoholiker und Kriminellen herangezüchtet werden. Dieses Heim erinnert mich auch stark an die Bilder, die wir dazumal nach dem Sturz von Causescu in Rumänien im Fernsehen gesehen haben. Der Irrsinn ist einfach, das es hier keine Diktatur ist, die gestürzt werden kann und damit habe ich wenig Hoffnung, dass sich je etwas an der Situation verändern wird.

 

Adieu Winter?

Erstellt am 16 May 2012

Am letzten Wochenende hatten wir hier nochmals richtig Winter. Es schneite zwei Tage lang und war einfach saukalt. Mit diesem sibirischen Wind war es sehr unangenehm und auch bei der Arbeit hab ich gefroren so nie meine Jacke ausgezogen. Gut, haben die MongolInnen immer heissen Tee bereit und so sitz ich an solchen kalten Tagen sehr gerne im Küchenger und schlürf diesen. Dieses Ger ist auch am spannendsten- hier kommt alles zusammen und alle finden sich hier mal ein. Hier wird auch viel geredet und gelacht und natürlich auch gegessen.

Die Wanderung am letzten Sonntag, ca. 30 Kilometer von der Stadt entfernt, fand im tiefsten Winter mit wunderschönem Pulverschnee statt. Mal abgesehen von der Kälte war es wunderschön so die Landschaft zu sehen. Damit hab ich nun also doch auch noch etwas den mongolischen Winter erlebt. Bilder dazu hab ich auf meine Website hochgeladen.

Nun nach über drei Wochen hier, bewege ich mich recht sicher in der Stadt und meistere auch alleine neue Busstrecken gut. Es ist zwar schon eine Herausforderung dies zu tun, denn es gibt hier keine Fahrpläne und die Haltestellen sind oft auch sehr unklar. Einen Liniennetzplan gibt es nicht- die Direktorin eines der etwa 6 Busunternehmen hat mir erklärt, dass sie dazu kein Geld hätten. So lass ich mir einfach jeweils erklären, wie viele Haltestellen in etwa ich fahren muss und welches markantes Gebäude es am Zielort gibt. Ganz wichtig ist dabei auch die Himmelsrichtung mit der mir oft die Richtung angegeben wird. Sind in dem Quartier Jurten, ist das für mich am einfachsten, den die Türen von diesen weisen immer gegen Süden.
Was es hier nebst den Busen auch gibt sind die Micro Taxis, die in alle Richtungen fahren. Doch so eines nehme ich nicht, denn zum einen verstehe ich schlicht nicht, was die Fahrer da als Ziel aus dem Fenster schreien und zum andern sind die meist sehr überfüllt. In der Schweiz wären in so einem Kleinbus höchstens 8 Personen drin, doch hier wird gestopft bis einfach nichts mehr reingeht und dann geht die Fahrt los. Die Vorstellung in diesem Gedränge zu sitzen und dann womöglich noch einen besoffen im Bus zu haben ist grauenvoll. Lieber geh ich da zu Fuss, auch wenn es dann staubig und mit dem Verkehr vielleicht auch gefährlich ist. Eine weiter Möglichkeit sind dann noch die Taxis. Es gibt ganz offizielle, doch kann ich auch einfach mit der Hand winken und für 1500 Tugrik (ca. 1 Fr.) nimmt mich dann auch ein privates Auto mit. Das ist dann wie Lotterie, wen ich da als Fahrerin erwische. Diese Art der Fortbewegung ist gerade am Stadtrand sehr beliebt.

Ich bin ganz glücklich, noch nie beklaut worden zu sein. Dies ist eine grosse Leistung, denn es gehört zum Alltag, dass sowas geschieht. John, meinem Kollegen von der Tagesstätte haben sie auf dem Schwarzmarkt die aufgenähte Tasche auf dem Hosenbein unbemerkt aufgeschnitten und da die Diebe ihn auch an der Hand verletzten, ist es ihm überhaupt erst aufgefallen.
Doch viele greifen auch einfach im Gedränge oder auch in dem sie nahe hinter jemandem herlaufen in die Taschen und ich bin als Zuschauerin ganz sprachlos ab dieser Skrupellosigkeit. Da es sich meist um ganze Gruppen von Dieben handelt bin ich sehr vorsichtig mit reagieren.

Seit gestern haben wir wieder, wie fast jeden Tag, blauen Himmel und die Sonne wärmt jetzt am Morgen schon sehr. Dies ist auch gut so, denn seit gestern (immer am 15. Mai) sind in allen Mietwohnungen die Heizungen abgestellt und egal wie kalt es nochmals werden sollte, angestellt werden sie nicht mehr bis zum Herbst. So hoff ich nun, dass es auch hier Sommer wird. Die Wetterprognose auf jeden Fall verspricht dies- übermorgen soll es um die 25 Grad warm sein.

Was wären die Mongolen ohne Fleisch!

Erstellt am 11 May 2012
Sieht doch herzig aus. Aber lieber nicht für mich zum Essen. Die Köpfe wurden geräuchert und sollen sehr lecker sein, schwärmt mir mein mongolischer Begleiter vor.

  1. Mai mit Sommerlichen Temperaturen

Erstellt am 7 May 2012

Vorgestern hatte ich wieder meinen freien Tag, wie immer am Freitag. Doch was nur mache ich an solch einem Tag. Hier so mitten in der Stadt ist das nicht ganz einfach- einfach shoppen gehen, liegt mir auch nicht und so verbringen ich viel Zeit mit draussen bei einem Platz sitzen und das Geschehen um mich beobachten. Die letzten Tage war es hier so um die 25 Grad warm, die MongolInnen laufen damit in kurzen Hosen und Röcken rum. Witzig sind die Frauen, die sich richtig ins Zeug legen und mit ihren wunderschönen mongolischen Stoffen sehr schön anzuschauen sind. Etwas Angst machen mir aber ihre hohen Absätze, mit denen es sich auf den unebenen Strassen nicht leicht zu laufen ist. Doch sie schaffen das problemlos. Ich wär schon längst umgekippt oder in irgend so ein Loch getreten.

Erzählt hab ich euch ja, dass ich organisiert hab, dass ein deutscher Arzt in die Tagesstätte kommt. Es war für mich ein voller Erfolg. An die 15 Personen, die meisten haben ihre Kinder in der Tagesstätte,  kamen vorbei und liessen sich von ihm beraten. Alle sassen um einen Tisch und hörten mit was für ein Problem die einzelnen hatten und bekamen so gleich eine medizinische Weiterbildung. Dies war auch für mich sehr spannend und ich hab viel gelernt.

Es ist schon erschreckend, wie viel Medikamente die Leute hier einnehmen. In der Apotheke bekommt man so ziemlich alles ohne Rezept und so wird einfach etwas eingenommen von dem andere gesagt haben, dass es gut ist. Auch scheint es, dass die mongolischen Ärzte oft eine falsche Diagnose stellen und die Leute dann eine ganz falsche Behandlung bekommen. Hier scheinen die meisten ein Nierenleiden zu haben, doch scheint es sich da mehr um Rückenprobleme zu handeln, da die Menschen hier viele schwere Arbeiten verrichten. So zum Beispiel die schweren Wasserkübel tragen. Es gäbe hier für PhysiotherapeutInnen viel Arbeit, den solche Fachleute scheint es hier kaum zu geben.

Was mir hier sehr fehlt sind die ganzen Farben. Es gibt so ziemlich kein grün in der Stadt, da es sehr trocken ist und Blumen vor den Häusern scheinen sie schon gar nicht zu kennen. So denke ich mit Sehnsucht an die Schweiz wo jetzt wohl alles in Blüte ist und ich sehe es nicht. Hier dagegen ist es sehr staubig- verstehe nun, warum die MongolInnen alle so kleine Augen haben- den ich laufe auch nur noch mit ganz wenig geöffneten Augen rum. So bekomme ich wenig Staub in die Augen, dafür bleiche Falten um die Augen. Einen Vorteil hat dieses blumen- baumleere Leben auch noch – ich hab absolut keine Allergien.

Gozo und Mugi, meine Guides, die ich auf jeder Reise hab, kümmern sich sehr um mich. Immer wieder ruft Gozo mich an um mich zu informieren was alles so läuft. Heute Abend wäre zum Beispiel ein deutscher Stammtisch. So lerne ich immer wieder neue Leute kennen und kann deutsch reden.
Gozo ist mir nun auch bei meiner Visaverlängerung behilflich. Ich hab schon insgesamt gegen 200 Franken für ein solche bezahlt, doch hab ich dieses nun nur bis Ende Juni. Er klärt nun ab ob ich in die innere Mongolei ausreisen muss um einen weiteren Monat eine Verlängerung zu bekommen oder ob er über seine Beziehungen mir ein längerfristiges besorgen kann. Ich bin ja sehr gespannt und hoff, es geht ohne grosse Reise in die innere Mongolei.

Gestern war ich wieder mit dem Hikingclub unterwegs. Diesmal konnten auch die Kinder mitkommen und es ging in den Terelj Nationalpark, circa 80 Kilometer von der Stadt entfernt. Ein wunderschönes Gebiet mit einem grossen Fluss mitten durch. Doch es tut weh, überall viel Abfall zu sehen.
Trotzdem: Es tat so gut, einen ganzen Tag wieder draussen in der Natur zu verbringen und zu laufen. Bin so überglücklich, in dieser Gruppe mit dabei sein zu können auch wenn ich so ziemlich nichts versteh. Ich freu ich mich jetzt schon wieder auf nächsten Sonntag.

Im Terelj Nationalpark

Erstellt am 7 May 2012

Eingang zur Kindertagesstätte

 

 

 

Erstellt am 30 April 2012

 

Kinderhilfe Mongolei – Huuhdiin Bayasgalan

Erstellt am 30 April 2012

Mein Arbeitsort liegt circa 20 Minuten mit dem Bus in einem Aussenquartier von Ulan Baatar. Hier leben viele arme Leute, die täglich schauen müssen wie sie überleben.

Auf einem recht grossen Stück Land stehen hier das Haus und drei Ger`s (Jurten) von Bayasgalant. Diese Tagesstätte wird von einem Verein aus der Schweiz (www.bayasgalant.ch) mit Spendengelder finanziert. Es arbeiten hier 9 mongolische MitarbeiterInnen. Täglich kommen hierher rund 50 Kinder, die hier unter Begleitung der Lehrerinnen ihre Aufgaben machen können und einfach die Möglichkeit haben, hier ihre Freizeit miteinander zu verbringen. Auch erhalten sie hier drei Mal täglich essen, können duschen und bekommen bei Bedarf neue Kleider.

Bis zum Sommer soll der jetzige Bau, der sehr einfach eingerichtet ist und auch zu wenig Platz bietet, mit einem Neubau erweitert werden. Dort wird es dann Platz für 100 Kinder haben die sich in 4 verschiedenen Räumen aufhalten können. War die Dusche bisher den Winter durch nicht nutzbar da die Rohre einfroren, wird dies im Neubau dann nicht mehr der Fall sein und es gibt dann permanent laufendes Wasser.
Beratungen der Eltern können dann auch in einem eigenen Raum stattfinden und nicht mehr wie jetzt mitten im Betrieb mit all den Kindern.

Ich werde hier Bagsch (Lehrerin) genannt. Bereits nach einer Woche arbeiten in der Tagesstätte, rufen die Kinder mir Hi Teacher zu.
Eine der wichtigsten und ersten Fragen ist hier immer, ob ich verheiratet bin. Und wenn ich nein sage ist die nächste Frage warum. Der mitleidige Blick den sie mir dabei geben ist einfach umwerfend.
Für sie ist es unverständlich, dass ich mit meinen grauen Haaren und damit wohl schon sehr alt, nicht verheiratet bin und auch kein Kind habe.
Die Mongolen heiraten hier in der Regel spätestens mit 25 Jahren, oft sind sie aber auch erst 18 Jahre alt. Und dann müssen ganz schnell Kinder kommen- damit alles perfekt ist.

Meine Arbeit ist vor allem in Zusammenarbeit mit Bogi. Die Sozialarbeiterin ist hier für die Elternarbeit zuständig. Sie führt monatlich ein Gespräch mit den Eltern, was nicht ganz leicht zu organisieren ist. Oftmals erscheinen die Leute nicht zum abgemachten Gespräch, weil sie keine Zeit haben, kein Geld für den Bus oder sonst welchen Gründen. Oft wird Bogi mit ganz schwierigen Situationen konfrontiert in der es oftmals um Gewalt und Alkoholprobleme in der Familie geht. Oftmals sind die Eltern auch sehr krank und es scheint mir, dass damit den Hilfestellungen, die Bayasgalant bieten kann, lediglich ein Tropfen auf den heissen Stein, doch ein sehr wichtiger, gegeben werden kann. Es ist pure Überlebenshilfe für die Menschen, die mit fast nichts leben müssen. Bogi hat mir zB. von einer Familie erzählt, die 10 Tage lang nur Zwiebeln gegessen hat, da diese hier sehr billig sind.

Meine Arbeit findet nicht nur in der Tagesstätte statt, sondern montags und dienstags haben wir einen Fahrer der uns an die verschiedensten Orte in dieser riesigen Stadt bringt. Die Fahrt alleine ist schon ein Abenteuer- manchmal muss ich einfach meine Augen schliessen um nicht zu sehen, wie gefährlich hier der Verkehr ist. Halsbrecherisch drängen sich auf der Kreuzung alle vor und verursachen so ein noch viel grösseres Chaos. Ein Blechschaden mehr oder weniger scheint hier nicht so wichtig zu sein.

Heute waren wir unterwegs zu den verschieden Polizeiposten wo die Kinderpolizei arbeitet. Es ging darum bei ihnen vorbei zu gehen um sie über die Familien zu informieren, die grosse Probleme haben und deren Kinder in die Tagesstätte kommen.

Morgen werden wir dann als erstes Kleider, Schuhe und Lebensmittel einkaufen gehen, um diese dann den Familien zu bringen. So besuchen wir etliche Eltern und suchen das Gespräch mit ihnen. Oft scheint es bei den Gesprächen mit diesen einfach um Überlebenshilfe zu gehen. Dringend benötigte Medikamente werden besorgt oder zusammen ein Arzt aufgesucht. Die Kosten werden dann teilweise über die Spendengelder aus der Schweiz bezahlt.
Eine weitere Möglichkeit ist zum Beispiel auch, dass Familien über Bayasgalant einen Mico Kredit bekommen um sich zB. eine Nähmaschine kaufen zu können, um so Geld verdienen zu können.

Verschiedene Kurse werden in der Tagesstätte von Bogi organisiert, doch scheint es ganz schwierig zu sein, die Eltern in die Tagesstätte zu holen. Sie sagen zwar, dass sie interessiert sind an Informationen zum Beispiel über Gesundheitsthemen oder über den Eigenanbau von Gemüse, doch findet dann der Kurs statt, kommen sie doch nicht. Wie nur, können diese Menschen dazu motiviert werden, da zu kommen? Dies wird eine der Fragen sein, die ich versuche mit Bogi zu lösen.

Am kommenden Samstag wird da meine erste Erfahrung sein. Gestern beim Wandern hab ich einen Nierenspezialisten kennen gelernt und hab nun organisiert, dass dieser deutsche Arzt, der derzeit für die Schulung von mongolischen Ärzten hier in der Mongolei arbeitet in die Kindertagesstätte kommt. Er wird bei Bedarf Kinder untersuchen und Fragen der Eltern beantworten. Ich hoffe ganz fest, dass dieses Angebot genutzt wird.
Ich bin sehr gespannt!

Einleben in Ulan Baatar

Erstellt am 27 April 2012

Heute ist mein vierter Tag in Ulan Baatar, einer Stadt die mich mit ihrer Art zu leben fasziniert aber auch verwirrt. Zum einen kann ich die kyrillischen Buchstaben nicht entziffern, zum anderen wirkt alles sehr chaotisch auf mich. Die Hauptstrassen sind geteert, doch kaum nehme ich eine Nebenstrasse wird’s staubig und dreckig. Karaoke scheint hier eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung zu sein, überall ist diese angeschrieben.
Zurzeit haben wir um die 0 Grad bei oft strahlender Sonne, manchmal schneit`s auch kurz. Immer geht ein Wind, der die gefühlte Temperatur als viel kälter erscheinen lässt.

Als Fussgängerin lebe ich gefährlich- ich muss schauen wie ich über die Strasse komme den kein Auto hält für mich sondern ärgert sich laut hupend darüber, wenn ich sein Tempo drossle. So warte ich oft immer, bis jemand anderes auch über die Strasse will- so nach dem Motto: gemeinsam sind wir stark.

Inseln in dieser lauten Stadt die voll von Autolärm ist, bieten die vielen verschiedenen Kloster. Ganz in der Nähe von meinem Zuhause ist das Gandankloster, dem grössten und bedeutendsten Kloster der Mongolei. Dort leben an die 500 Mönche. Im markantesten Gebäude steht die 26 Meter hohe Statue der Göttin Janraisig, für die das Kloster berühmt ist. 1938 hatten sowjetische Truppen die Statue demontiert und eingeschmolzen. Die buddhistische Gemeinde ließ 1996 mit umgerechnet fünf Millionen Dollar Spenden eine neue vergoldete Janraisig errichten. Für den Dalai Lama, das eigentliche Oberhaupt des Klosters, wurde ein Thronsessel neu erbaut.

Beim Kloster lässt es sich gut einfach sitzen und die Leute beobachten, wie sie ins Kloster pilgern. Das Tauben füttern scheint auch ganz wichtig zu sein, damit gibt’s da eine stattliche Anzahl dieser Vögel.

Ich hatte damit gerechnet, dass die Preise hier für Lebensmittel tief sind. So staune ich nun sehr, dass ich zum Beispiel für 1 Kilo Äpfel rund 4 Franken bezahlen muss, dasselbe beim Gemüse. Auch das Fleisch, das Hauptgericht der Mongolen, ist sehr teuer geworden.  Wer kann sich da eine vitaminreiche Kost leisten? Allgemein wird mir gesagt, dass sich die Preise in den letzten fünf Jahre für die Lebenskosten fast verdoppelt haben.

Was hingegen sehr günstig ist- zumindest für mich sind die Buspreise. So bezahle ich für die Busfahrt- egal wie weit die Strecke ist, 400 Tugrik, das sind um die 25 Rappen. Was mir dann beim Busfahren geboten wird ist Wahnsinn. Die Chauffeure fahren, wie wenn sie ein Rennen gewinnen wollten- irre, dazu gibt’s meist vorn bei ihm auch noch einen Fernseher dessen Ton über Lautsprecher im ganzen Bus tönt. Etwas verkehrt ist auch- du steigst in der Mitte ein und vorne aus. Kein leichtes Unterfangen wenn der Bus gestossen voll ist. Dazu sollte ich dann noch aufpassen, dass mir nichts geklaut wird- fast unmöglich.

Auf der Strasse kann ich vieles kaufen oder nutzen. So zum Beispiel die Tischchen mit den Telefon, die überall angeboten werden. Oder, ich kann mich auch auf eine Waage stellen um da zu überprüfen ob das fettige Essen wohl schon Polster angesetzt hat. Bis jetzt geht’s meinem Bauch aber recht gut und ich bin froh bis jetzt von Durchfall verschont zu sein.

Beim Sukhbataarplatz

Erstellt am 27 April 2012

Wissenswertes zur Mongolei

Erstellt am 27 April 2012

Kopiert aus Wikipedia:
Die Mongolei (mongolisch Монгол Улс / Mongol Uls / mongɣol ulus, wörtlich: „Mongolischer Staat“), zwischen Zentral-, Nord- und Ostasien gelegen, ist nach Kasachstan der flächenmäßig zweitgrößte Binnenstaat der Welt. Sie hat nur zwei Nachbarn, Russland im Norden und die Volksrepublik China im Süden. Das Land, 47 Mal so groß wie die Schweiz, wird lediglich von 2,75 Millionen Einwohnern bewohnt und ist somit der am dünnsten besiedelte unabhängige Staat der Welt. Das Land ist aufgrund seiner Bodenbeschaffenheit und seines Klimas kaum für Ackerbau geeignet, hauptsächlich wird nomadische Viehwirtschaft betrieben. Seine größte Stadt ist die Hauptstadt
Ulaanbaatar, in der ein Drittel der ganzen Landesbevölkerung wohnt.

Das Territorium der heutigen Mongolei wurde, seit es besiedelt ist, von Nomaden beherrscht, die zeitweise Reiche gründeten, wie die Xiongnu oder die Xianbei. Im Jahre 1206 gelang es Dschingis Khan, die heterogenen Völker zu vereinigen und das Mongolische Reich zu gründen, das sich am Höhepunkt seiner Macht nach dem sogenannten Mongolensturm bis Europa erstreckte und das größte zusammenhängende Reich der Geschichte darstellte. Die Mongolen übernahmen auch die Herrschaft in China, wo sie die Yuan-Dynastie etablierten. Nach dem Zusammenbruch ihres Reiches verlegten sich die Mongolen wieder auf ihr traditionelles nomadisches Dasein mit gelegentlichen Raubzügen nach China. Ab dem 16. Jahrhundert kam das Land unter den Einfluss des Buddhismus, etwas später wurde der Großteil der Mongolei durch die Qing-Dynastie beherrscht. Nach deren Zusammenbruch erlangte die Mongolei mit russischer und später sowjetischer Hilfe die Unabhängigkeit, 1924 wurde die Mongolische Volksrepublik als zweiter sozialistischer Staat der Geschichte proklamiert. In der Folge machte das Land eine Entwicklung parallel zur Sowjetunion durch. Nach den Revolutionen im Jahr 1989 in Osteuropa kam es auch in der Mongolei zu politischen Änderungen; 1992 wurde eine neue, demokratische Verfassung angenommen und die Marktwirtschaft eingeführt. Der Übergang von Plan- zu Marktwirtschaft war von vielen Problemen begleitet und auch heute lebt, trotz starken Wirtschaftswachstums, etwa ein Drittel der Bevölkerung in Armut. Weiter Infos findet ihr auf Wikipedia

Die Arbeitslosigkeit in diesem Land ist sehr hoch und ich höre immer wieder, das sich viele nach der alten sozialistischen Zeit sehnen der ihnen einen sicheren Job gab. Es wird wohl noch lange Zeit dauern bis sich die neue Struktur etabliert hat. Viele erzählen auch, dass das Geld in die Taschen von wenigen geht, so ist ein Grossteil der Mongolen trotz immens grossen Bodenschätzen arm.

 

Ankommen in Ulan Bataar

Erstellt am 23 April 2012

Ich bin in Ulan Baatar angekommen- meinem Zuhause für die kommenden drei Monate.

Die Anreise war etwas kompliziert, der Flug am Sonntag ab Berlin nach Ulan Baatar war wegen eines Unwetters abgesagt und so musste ich eine Nacht ohne mein Gepäck im Hotel verbringen.
Für den nächsten Morgen wurde mir gesagt, dass ich um 5 Uhr am Flughafen sein muss um einzuchecken. Ich hätte mir das sparen können, den der Schalter ging erst eine halbe Stunde später auf und irgendwie hatten die Mongolen bereits gehört, dass sie noch etwas länger schlafen können, den noch gegen 8 kamen die letzten an. Ich hätte das auch gerne gemacht.
Um halb neun dann aber flogen wir tatsächlich ab und so bin ich nach mongolische Zeit nachts um 1 Uhr im winterlich kalten und verschneiten Ulan Baatar angekommen.
Meine Befürchtung, dass mein Gepäck durch die Flugverschiebung nicht ankommt wurde erst mal bestätigt und beim Nachfragen wurde ich ausserhalb des Flughafens in einen Raum geführt wo dann tatsächlich meine Tasche stand- welche Erleichterung.

In Baagiis Guesthouse wurde ich trotz später Stunde herzlich empfangen. Hier nun wohne ich also die kommenden Monate. Ich bin sehr erleichtert das Amaraa wie auch Baagii sehr gut deutsch sprechen und so fühle ich mich nicht all zu verloren.
Nebst mir sind hier noch zwei weitere Personen untergebracht unter anderem auch John der für die Bauleitung für das neue Haus auf dem Gelände von Bayasgalant zuständig ist.